…und der Canyon erwacht!

Oktober 24, 2006 at 2:21 pm (Uncategorized)

Am Freitag haben wir unsere sieben Sachen gepackt und sind los Richtung Arizona. 9 Stunden Autofahrt liegen vor uns uns. Ariane, Sibel, Susanne und Vicky bleiben in Pomona, die lange Fahrt und die Aussicht auf eine anstrengende Wandertour schreckt doch ein wenig ab.

Die Fahrt ist ganz witzig aber doch langweilig, denn die Strecke fuehrt meilenweit durch NICHTS. Einfach nur Wueste und Felsenlandschaft. Wir ueberqueren die Grenze zu Arizona mit schlechtem Gewissen, denn angeblich darf man kein Obst mit nach Arizona nehmen (die haben Angst vor Kaefern, die die Touristen aus anderen Staaten einschleppen).

Unser Hotel liegt in einer kleinen Stadt namens Tusayan, einem reinen Touriort direkt vor dem Suedeingang. Die Red Feather Lodge bietet uns 8 Leuten 2 nette Zimmer mit je zwei Queen-Size-Betten, das reicht fuer uns. Immerhin gibt es Gratis-Kaffee in der Lobby und W-Lan.

Wir sind alle muede von der Fahrt und hungrig, und so suchen wir uns eines der ueberteuren Restaurants in der Stadt. Das Steak ist gut, dazu gibt es Bohnen und scharfe Saucen. Gott-sei-Dank nimmt Christian dasselbe, denn mit ihm werde ich mir das Bett teilen :-)

Chris, Bernie, Mareike und ich entscheiden uns dazu, den Bright Angels Trail, einen 9.6-Meilen-Pfad, zu bewandern, waehrend die anderen 4 lieber oben am Rim entlang fahren wollen und die Seniorentour machen. Da uns der Sonnenaufgang ans Herz gelegt wurde, machen wir uns um 5 Uhr morgens auf den Weg. So einfach ist das allerdings nicht, denn zu unserer Verwunderung muessen wir erst einmal die Scheibe vom Auto freikratzen. Es sind tatsaechlich Minusgrade, und im Zwiebelprinzip angezogen (zwei T-Shirts und zwei Pullover) setze ich mir bibbernd hinters Steuer.

25 Dollar pro Auto sind angemessen, und so suchen wir im Dunkeln den Weg zu dem Punkt, von dem aus wir Starten wollen. Auto geparkt, nochmal checken, ob wir genug Wasser dabei haben, und los geht’s. Die erste halbe Stunde sehen wir noch recht wenig, nur graue Felsen und schwarze Tiefen. Als jedoch gegen viertel nach sechs die Sonne so langsame Farbe ins Spiel bringt, erheben sich vor unseren Augen die grossen Ungetueme von roten und weissen Steinen, gruenen Pflanzen und rotem Fluss. Es ist atemberaubend, und wir geniessen den Sonnenaufgang von einem kleinen Felsvorsprung und machen wie verrueckt Fotos. Natuerlich faengt man mit einer Kamera nicht halbsoviel Atmosphaere ein, wie man live erlebt.

Weiter geht’s. Die ersten Hardcore-Wanderer kommen uns mit Sack und Pack entgegen. Die haben teilweise die letzten 5 Tage im Canyon verbracht und sind gerade auf dem Nach-Hause-Weg. Wir vier, in Jeans, T-Shirt (mittlerweile ist es warm geworden), und nur wenig Gepaeck werden von vielen schief belaechelt, aber trotzdem ist jeder Wanderer freundlich und gruesst immer nett. Uns wundert, dass es trotz fehlender Muelleimer sehr sauber auf den Wegen ist, muss wohl an der Mentalitaet von Outdoor-Freunden liegen. Wir freunen uns und nehmen fleissig unsere Bananenschalen wieder mit uns mit.

Unser Ziel, den Indian Garden, erreich wir nach 4.5 Meilen und ca. 3 Stunden. Hier treffen wir eine Wandergruppe, die mit Mulis unterwegs sind und sich schoen von den Packtieren tragen lassen. Einige Wanderer geben uns Tipps, was wir uns hier unten angucken sollen, und so machen wir uns doch noch auf den Weg zum Plateau Point, von dem man einen tollen Blick auf den Colorado-River haben soll. Direkt zum Fluss zu laufen wird uns nicht empfohlen, denn dies ist nochmal eine ganz schoen weite Strecke und lohnt sich nicht, sagen einige! So nehmen wir die Kinderstrecke von 1.5 Meilen auf uns und gelangen an einen Abgrund. Wir befinden uns ca. in 1000 Meter Hoehe, und runter zum River dauert es im Freifall sicher keine 10 Sekunden. Schreckliche Vorstellung, aber Christian und ich lassen es uns nicht nehmen, auf einem alleinstehenden Felsen ein paar Stunts zu performen. Bernie bekommt fast nen Herzinfarkt und Mareike macht fleissig die Fotos. Die koennt ihr uebrigens wie immer auf Pixum (siehe Links) anschauen.

Bald muessen wir uns auch wieder auf den Rueckweg machen. Wir rechnen damit, ca. 5 Stunden fuer den Aufstieg zu brauchen. Der Trail ist ziemlich steil und mittlerweilse brennt auch die Sonne ganz gut auf den Pfad (nachdem wir den kompletten Abstieg im Schatten gewandert sind, ist das eigentlich ganz angenehm).

Im Indian Garden fuellen wir noch einmal unsere Wasserflaschen, denn ab jetzt gibt es keine Moeglichkeit mehr, Wasser zu bekommen. Eine Reisegruppe aus Philadelphia schenkt uns noch getrocknete Fruechte und eine Salami, und halbwegs gestaerkt treten wir den Aufstieg an.

Wir brauchen zu unserer Freude nur knappe 3 Stunden bis zum South Rim, allerdings haben wir auch ein sehr maennliches Tempo an den Tag gelegt. Lediglich Chrisitan scheint ganz unberuehrt von den Anstrengungen zu sein, der alter Fuchs ist ja auch trainierter Marathonlaeufer…

Total fertig kehren wir um 14:00 Uhr wieder ins Hotel zurueck, um uns mit Dusche und Kaffee ein wenig wachzuruetteln. Nach einem Geburtstaganruf bei meiner Suessen (ich schaffe es um Punkt Mitternacht deutscher Zeit) und einer halben Stunde Power-Doesen machen wir uns erneut auf den Weg in den Park. Diesmal jedoch nutzen wir unser Auto als haupt-Fortbewegungsmittel, 9 Stunden Wandern hinterlassen so seine Spuren. Wir fahren zu einigen schoenen Aussichtspunkten wie z.Bsp. dem Desert View, von dem man den Canyon und die dahinterliegende Wueste sehen kann, und wo ein alter indianischer Watchtower steht. Natuerlich fehlen hier auch die Souvenir-Shops nicht, die fuer ueberteures Geld lausige Poster und handgewebte Teppiche verhoekern.

An einem weniger bevoelkerten Punkt des Canyons lassen wir uns dann nieder um den Sonnenuntergang zu sehen. Enttaeuschendweise geht die Sonne total schnell unter, wir koennen sogar mitzaehlen. Christian und ich haben uns ein Feierabend-Bierchen mitgenommen und stossen im mittlerweile lila-gefaerbten Canyon an. 

Der Canyon legt sich wieder schlafen und genau darauf freuen wir uns auch. 

Am Sonntag nehmen wir nochmal das Fruehstueck im Hotel mit, welches aus angelieferten, eingeschweissten Muffins und Kuchstuecken besteht. Immerhin gibt es O-Saft und Kaffee. Fuer 30 Dollar die Nacht ist das OK.

Die Rueckfahrt verbringe ich groesstenteils mit Schlafen. Das Wandern wird mir noch einige Tage in den Knien bemerkbar bleiben. 

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