Die ersten Tage

September 26, 2006 at 2:33 vormittags (Uncategorized)

So denn. Habe es enldich geschafft die ersten Tage zu dokumentieren und poste sie hiermit. Kämpft euch durch, die meisten haben dies bereits als pdf erhalten, aber hier nochmal für alle anderen!


Mittwoch, 13. September 2006, 04:00

Es ist früh…viel zu früh zum Aufstehen. Die Aufregung ist jedoch zu groß um müde zu sein. Katzenwäsche, noch mal checken ob alles im Koffer ist. Das Wichtigste, die Dokumente Flugtickets, Reisepass, TAN-Listen, Kreditkarten… Auto vorfahren, das ich gestern noch von meinem Bruder geholt habe (da der gerade in Hannover umzieht, hat er den Van von Mutti am Start), Koffer rein, und ab die Post. Noch schnell Bernhard vom Studentenwohnheim ab-holen, denn sonst wäre er der einzige, der mit der Bahn mitten in der Nacht mit zwei dicken Koffern zum Flughafen fahren müsste. Nun ist kein Platz mehr für Meike, da mein Bruder sämtliche Sitze ausgebaut hat. Naja, wird uns schon keiner anhalten, und Meike versteckt sich zwischen den Koffern.

Am Flughafen der erste Ärger: Kaum geparkt, funktioniert die Funkfernbedienung des Chrys-lers nicht mehr. Batterie leer? Nein, kurzer Blick nach links verrät, dass der Flughafentower die Signale der Funkfernbedienung stört. Zwei Optionen: Den Flughafenmanager lieb bitten, ob er für fünf Minuten den Flugbetrieb außer Kraft setzen kann, oder bei Chrysler anrufen. „Chrysler Technischer Support, was kann ich für Sie tun?“, fragt der nette Mann freundlich und erzählt mir, dass jemand kommen würde und der Wagen notfalls abgeschleppt werden muss. Das ganze natürlich nur gegen Zahlung, denn Garantie ist schon lange nicht mehr drauf. Rücksprache mit Vater, der mittlerweile wach ist (ist schon kurz vor sechs, um 06:50 geht der Flug). Ich gebe Meike alle Telefonnummer die sie braucht, um das weitere zu regeln. Ich ärgere mich, dass ich nicht mal entspannt sein kann am Flughafen kurz vor meiner Reise. Naja, Meike beruhigt mich und sagt, dass alles gut geht. Mein schlechtes Gewissen, dass sie jetzt mit der ganzen Sch… da steht, bekommt sie trotzdem nicht weg.

Check-In: Noch vor der Kofferaufgabe werden meine Reisetasche und der Koffer durchleuch-te. Kurzes Herzklopfen, das die bloß nicht mein Kontaktlinsenpflegemittel beschlagnahmen. Gott-sei-Dank darf ich es mitnehmen. Koffer wird versiegelt, Sachen werden aufgegeben. Noch einmal kurzes Herzklopfen, aber auch diesmal werde ich beruhigt, denn die Waage zeigt an, dass mein Gepäck im Rahmen des Erlaubten liegt.

Schmerzvolles Verabschieden von meiner Liebsten. Mit einem lachenden und einem weinen-den Auge verliere ich sie aus den Augen, aber ich bin nicht alleine.

Für 12 hannöversche Studenten beginnt nun ein Abenteuer, das sicher schneller zu Ende geht als uns lieb ist. Nichtsdestotrotz freuen wir wie kleine Kinder und malen uns aus, wie es wohl sein wird, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und des begrenzten Horizonts (danke Tanja für diesen treffenden Ausdruck).

Der erste Flug nach Frankfurt verlief schnell und schmerzlos. Kurz nach dem Start gibt der Pilot durch, dass der Flug nur 35 statt 50 Minuten dauern würde, da wir eine Abkürzung neh-men … großes Gelächter.

In Frankfurt dann drei Stunden Aufenthalt. Als erstes Meike anrufen. Sie hat das mit dem Auto doch noch hinbekommen. Wie, ist mir ein Rätsel! Alles wird gut, sage ich mir!
Als wir dann endlich durch die Sicherheitschecks waren, hatten wir nur noch 1 Stunde. Etwa ein Dutzend Stationen waren noch nicht genug. Schuhe aus, Jacke aus, Leibesvisitationen, Taschen auseinander genommen. Dann der Schock: Ich darf meinen Textmarker nicht mit-nehmen. Leute, ein TEXTMARKER. Das tut weh. Was soll’s, meinen Flüssigsprengstoff haben sie dafür nicht entdeckt.

10 Stunden, 2 bescheidene Mahlzeiten, 2 richtig schlechte Filme und 5 Warsteiner später be-finden wir uns im Landeanflug. Wir konnten Las Vegas von oben sehen, denn wir sind die ganze Zeit mit der Sonne geflogen. Das hat Schlafen quasi unmöglich gemacht. Eine freund-liche Stewardessstimme lässt einen noch mal schaudern: „Willkommen in San Francisco!“ Moment, das ist ja mal gar nicht witzig. Wieder Gelächter: Lufthansa scheint Entertainer aus-zubilden.

Ankunft LAX

Am L.A. Airport (kurz: LAX) mussten wir dann tatsächlich eine Stunde am Immigration Counter anstehen. Die Beamten machten einen sehr gelangweilten, aber auch genervten Ein-druck. Endlich durch die Kontrolle durch (wir mussten unsere Fingerabdrücke lassen und ein Foto von uns machen lassen), konnten wir sogleich unser Gepäck abholen und keine 10 Mi-nuten später standen wir in der Mittagssonne von Los Angeles.

Professor Lange, ein ehemaliger Prof der Uni Hannover, der das Regenwetter in Deutschland satt war und nun seit einigen Jahren in Pomona (so der Ort, an dem ich bis Weihanchten woh-nen werde) arbeitet, wartete bereits auf uns und hat einen Bus für uns organisiert. Einige von uns haben allerdings gleich am Airport einen Mietwagen in Empfang genommen. Eines der Dinge, die wir bereits in Deutschland von den Amis gelernt haben, ist: In den USA brauch man ein Auto. Jeder Ostfriese, wenn er nicht gerade in der Weltstadt Leer wohnt, kennt das Problem defizitärer Transportkapazitäten – selbst im L.A. oder Orange County sind Bus- und Bahnverbindungen nahezu unbekannt. Einzig und allein der Campus meiner Uni hier hat ein eigenes Transportsystem.

Meine Wenigkeit hat allerdings den Bus bevorzugt (nach 10 Stunden Flug ist so eine Auto-fahrt im 10 Millionen-Areal L.A. nicht gerade eine Freude), und die Sicht aus dem Rückfens-ter war schon atemberaubend genug.

Nach ca. einer Stunde erreichten wir unsere Wahlheimat Pomona, was etwas nord-östlich von L.A. Downtown liegt. Auf dem Weg sahen wir gleich eine Festnahme: „Oh, seht, ein Strei-fenwagen macht `ne Routinekontrolle, fotografier das mal“ – „Oh nein, vielleicht doch nicht, der Typ sitzt in Handschellen mitten auf der Straße, lieber nicht fotografieren!“ First impres-sions!

Im Village, dem Studentenwohnheim – oder besser Studentenstadt – logieren zurzeit 1300 Cal Poly Studenten. Cal Poly steht übrigens für California State Polytechnic University of Pomona. Die Warteliste umfasst 500 Plätze, und das bei den Preisen. Für ein Zimmer, wel-ches man sich mit jemand anderem teilt, zahlt man in etwa soviel wie für unsere ganze Woh-nung in Hannover.

Das Registrieren für unsere Dorms (Wohnungen) ging ziemlich schnell und wir waren dann auch gespannt auf unsere neuen Eigenheime. Da wir eine Woche vor Uni-Beginn da waren und offizieller Einzugstermin erst am 19. ist, war nicht viel los hier und wir hofften, die erste Nacht noch ohne Zimmernachbar auskommen zu dürfen.

Wir machten also die Runde. Kai, Matze und Bernhards Apartments waren komplett leer. Keine Mitbewohner, kein Zeug im Wohnzimmer, alles leer. Dann zu mir. Haus Nr. 30, A-partment A, Zimmer 2 (jedes Aprtment hat 2 Zimmer mit jeweils 2 Leuten). Ich komme rein, das Wohnzimmer überseht mit Alkoholflaschen, der Mülleimer explodierte, überall liegen Klamotten herum und ich höre zwei Typen aus verschiedenen Zimmern irgendwas wie Starc-raft bzw. Star Wars zocken. Na super, zwei Nerds als Zimmergenossen. Kann ja nur schief

gehen! Nachdem ich mich durch die Messiewohnung in mein Zimmer gekämpft habe und meinen Koffer deponieren konnte (was echt zur Such nach der Nadel im Heuhaufen wurde), bin ich ganz schnell wieder heraus in der Hoffnung, jemand würde in der Zwischenzeit auf-räumen…

Alex, mein „direkter“ Zimmergenosse, der quasi unter mir schläft (ja, Hochbettklettern die nächsten 3 Monate!) entpuppt sich als Ingenieur, der zusammen mit Joey (mein indirekter Roommate aus Zimmer 1) das illegale Filesharing-Netzwerk des Village steuert. Alex ist freundlich, gehört zur kalifornischen Minderheit – nämlich zur der Weißen – und trinkt gerne teuren Alkohol. Er hat eine Jonny Walker Blue Label Flasche hier stehen. Kenner wissen, dass so was ca. 100 € pro Flasche kostet, wenn nicht mehr.

Nach einem kurzen Hallo sind wir dann mit Prof. Lange (in den USA wird er übrigens nicht etwa Prof. Long genannt, sondern Dr. Lääääääng) zum ersten Burgerladen in der Nähe gefah-ren. „In’n’Out“ hieß er, und so war auch die Strategie. Nervende Musik, viel zu kalte Klima-anlage und grelle Farben ließen einen gaaanz schnell wieder den Laden verlassen. Rein und Raus halt. Der Burger war gut, die Pommes schmeckten wie Schuhsohlen und ich machte meine ersten Erfahrungen mit Root Beer. Dieses abscheuliche Getränk ist während der Prohi-bition in den USA bekannt geworden. Es hat nichts, aber auch gar nichts mit Bier zu tun und hat seinen Namen wohl ausschließlich aufgrund seiner Farbe bekommen. Es schmeckt ziem-lich genau wie Meridol Mundwasser mit Kohlensäure und ist seit unserer Ankunft hier zum Wetteinlöser mutiert, wie etwa bei der Diskussion, ob St. Peter Ording an der Nord- oder Ost-see liegt. Naja, mein Root Beer steht noch aus…

Dr. Läääääng gab uns dann anschließend noch einige Tipps und Tricks mit auf den Weg, während wir im „Applebies“ noch ein gutes Becks Import genossen. Das Applebies ist eine recht coole Sportsbar mit einer viel zu hoch eingestellten Klimaanlage. Das machen die hier wohl alle. Draußen sind es 30 Grad im Schatten, und drinnen gefühlte -10. Südkaliforniern hat allerdings Wüstenklima, was bedeutet, dass es, sobald es dunkel wird, tierisch kalt wird und man plötzlich von Shorts und Hawaiihemd zu Jeans und Pullover wechseln muss.

Noch ein Bierchen mit Alex, eine gute Unterhaltung und dann war auch endlich Zeit um ins Bett zu gehen. So viele erste Eindrücke und Reizüberflutungen mussten erst einmal verdaut werden, und am Ende dieses ewig langen Tages war ich doch zufrieden mit der ganzen Situa-tion…

Donnerstag, 14. September, 03:30 local time

Klopfklopf…“Hey Alex“ – „What?“ – „Tomorrow ist the big inspection in our apartment“ – „And?“ – „We have to get rid of the sofa!“ – „Alright then!“. Es ist im Village streng verbo-ten, externe Möbel zu besitzen. Die Dorms sind eingerichtet, und außer dem Fernseher darf kein festes Gerät in der Wohnung stehen. Joey und Alex jedoch haben ein riesiges gemütli-ches Sofa im Wohnzimmer stehen, dass dort nicht hingehört. Da heute morgen der Communi-ty Advisor vorbeikommen will und die Wohnung inspiziert, muss das Sofa natürlich raus. Erstes großen Studentenerlebnis in den Staaten für mich: Sofa tragen. Rein in die Hosen, Cap aufn Kopf (bevor mich jemand erkennt), Sofa angehoben und raus damit. 40 Meter weiter stehen die Müllcontainer, von einem großen Zaun umringt, da steht’s gut. Wird das nicht je-mand entdecken? Nein, da kommt niemand hin. Na gut. Wieder rein, wieder schlafen. Good-night!


Donnerstag, 14. September, morgens.

Der Plan: Wir müssen zum Ontario Airport, ca. 20 Minuten entfernt. Dort holen wir unseren zweiten Wagen ab. Denn mit 12 Leuten in einem Pontiac Grand Prix ist es etwas eng. Ich habe den zweiten Wagen, einen Van für 7, auf meinen Namen gemietet, also muss ich mit. Susanne fährt mich hin. Drei andere von uns müssen mit, da sie alle als Fahrer gelistet werden müssen. Ich will schließlich nicht die ganze Strecke nach Sän Frän fahren. Also ab auf den Highway nach Osten Richtung Ontario. Dichter Verkehr, 5-spurige Autobahnen. Trotzdem alles voll. Gott-sei-Dank gibt es Car Pool Lanes. Das sind Spuren, die nur für Autos mit 2 und mehr Personen gemacht sind. Überall stehen Schilder mit strikten Warnungen: Bei Verstoß hiergegen sind $ 271 fällig. Wieso gerade 271? Keiner weiß es. Egal, es ist ja ne gute Sache und fördert, Fahrgemeinschaften zu bilden. Aber warum nutzt die Lane keiner? Tatsächlich, die fahren ja ALLE alleine im Auto. Es scheint wirklich jeder nur sein eigenes Auto zu fahren und niemanden mitnehmen zu wollen. Amerika! (Diesen Ausruf werden wir in Zukunft noch des Öfteren hören).

Wir bekommen einen Pontiac Montana, mit Tempomat und Satellitenradio: 200 Programme, YES! Ich steige das erste Mal in einen Automatikwagen. Fahre zum Ausgang des Parkplatzes. Ab auf den Highway. Zurück zum Village. Nochmal 6 Leute einladen, noch mal Ontario. Weitere Fahrer bei Alamo für den Van listen. Zurück nach Pomona. Es ist schon später Nachmittag, Strand lohnt nicht mehr. Ab zu Ikea. Wir brauchen: Bettzeugs, Teller, Klobürs-ten…und und und. Erster großer Unterschied: Die Hot Dogs sind anders. Keine Gurken, keine Röstzwiebeln. Und statt gebrühter Würstchen gibt’s frittierte Würstchen. Pfui bah. Und das schlimmste. Amis essen keine Mayo…zumindest nicht auf Hot Dogs und auch nicht zu Pommes. Aber Peanutbutter-Jelly-Sandwich und Cola mit Vanilleeis drin. AMERIKA!

Zwei Ikea-Einkaufswagen später und 300 Dollar weniger auf zum Supermarkt. Target – Low prices entpuppt sich als ar***teures Vergnügen. Naja, wenn man Leute anstellt, die einem die Lebensmittel an der Kasse in Tüten einpackt, die müssen auch bezahlt werden. Fast Food oh-ne Ende, Cola in 5liter-Kanistern und Obst – unbezahlbar.

Es stellt sich heraus, dass mein Mitbewohner Alex ein guter Freund von Carol ist, die die letz-ten 7 Wochen in Deutschland war. Ihr Ex-Freund, der sie in Hannover besuchte – Sam – ist ein guter Freund von Alex. Small World!

Freitag, 15. Sepember

Yuhuu! San Francisco. 06:00 Uhr aufstehen, Kai und ich feiern Premiere und frühstücken einen Peanutbutter-Jelly-Bagel. Auf die eine Bagelseite kommt Erdnussbutter, auf die andere Erdbeermarmelade. Das ganze einfach zusammenklatschen, fertich is!!!
Morgens sehe ich noch Joey in unserer Küche umherschleichen. Hey Joey, so früh wach? – Nein, bin aufgeblieben. Muss die ganze Zeit an das Sofa denken – Ooooookay… Nach mei-nem Badezimmergang komme ich zurück ins Wohnzimmer. Da steht Joey, ganz alleine in der Eingangstür und zieht gerade das Sofa rein. Sag doch was, ich kann doch helfen. – Passt schon! Jetzt kann ich endlich schlafen gehen – Nerd!

Wir wollen um 07:00 Uhr auf dem Highway Richtung Norden sein. Pustekuchen. Um 08:00 Uhr sitzen wir im International Office, um Thresa Ansley, der lieben Seele, die sich um uns

kümmert und dicke mit Ditäär, unserem Koordinator in Hannover, ist, Hallo zu sagen. Da können wir doch gleich mal die Dokumente kopieren, die sie braucht. Und noch mal checken, ob wir denn alle in unsere Kurse gekommen sind. Zwei weitere Deutsche sitzen dort herum. Kommen aus Biberach und studieren Architektur. Erste Erfahrungen werden ausgetauscht. Tja, um 11:30 können wir dann auch endlich starten. Über den Interstate 5 nach Northern California. Das wird bestimmt cool, so ein richtiges Route 66-Gefühl. Dann die Erkenntnis: 400 Meilen durch die Wüste…doch kein Spaß. Die USA haben sich übrigens noch nicht zum metrischen System bewegen können. Ein Fuß sind 30 cm, ein Inch sind 2,5 cm, eine Meile 1,6 km und 2.2 Pfund sind ein Kilo. Eine Gallone sind 3,8 Liter und Benzinverbauch wird in Miles per Gallone gemessen. Einfach so hinnehmen, nützt nix.

400 Meilen weiter, 20 Sudokurätsel gelöst, nach zahllosen Stopps (bei sieben Leuten muss man echt alle halbe Stunde ne Pause machen) kommen wir endlich abends in San Francisco an. Unser Van hat nen DVD-Player, und unterwegs haben wir Simpsons – Staffel 4 und 5, von Joey ausgeliehen – sehen können.
Es war atemberaubend, als wir aus der Wüste in diese riesige Stadt hinein fuhren. Wolken-kratzer, riesige Brücken (wir kamen über die Oakland Bridge rein, konnten aber die Golden Gate Bridge sehen). In der Dämmerung sah Alkatraz noch erschreckender aus. Überall Leuchtreklame. Christian fuhr, Matze war Navigator. Treffpunkt sollte das San Francisco Globe Hostel sein. Gott-sei-Dank war dies einfach zu finden, doch die Gegend sah nicht sehr vertrauenserweckend aus. Der Typ am Empfang schien erfreut zu sein und erzählte uns, dass der andere Wagen wohl auch gerade angekommen sein und einen Parkplatz suchte. So machte sich auch Christian auf den Weg um den Van zu parken. Wir sollten insgesamt zwei 6er Zimmer bekommen, so hat es Ariane aus dem anderen Auto gebucht. Wir bekamen die Schlüssel und fuhren in den 4th Floor, was die 3. Etage bedeutet (1st Floor ist immer das Erd-geschoss). Die Zimmer: ziemlich abgegammelt. Unter uns: eine Disko (ein Gayclub, da wir ziemlich genau an der Grenze zum Castro-Viertel waren, dem Homoviertel in SF).

Kaum haben wir unsere Betten bezogen, kommt Mareike aus dem Mädchenzimmer. Die an-deren haben geschrieben, sie wollen nicht in dieser Gegend wohnen. Von wegen Parkplatzsu-che, die haben ein neues Hotel gesucht. Super! Egal, wir haben bezahlt, wir bleiben. Aus dem Jungenzimmer wird ein Gemischtes (zum Glück steht ein 7. Bett im Raum) und wir ziehen los um etwas zu essen. Die Stimmung ist zum ersten Mal angeknackst und jeder denkt sich seinen Teil.

Wir machen abends noch die Runde, um was gutes zu Essen zu finden. Die Gegend ist echt nicht so cool, viele eigenartige Gestalten lungern herum, die Schwulen hier sind so richtige Kraftpakete mit Lederwesten, die knutschend an der Straßenecke stehen. Wie im schlechten Film bewegen wir uns Richtung Market Street, wo etwas mehr los ist. Wir fragen nen Typen nach einer Bank of America (denn als Deutsche Bank Kunde kann man an der BoA kostenlos Dollars abheben). Was für ein Zufall: Der Typ ist schwul, arbeitet bei der Bank of America, war auch shcon in Deutschland und hat an der Cal Poly Pomona studiert. Was sich als un-glaublicher Zufall anhört, wird sich in Zukunft als Standardsatz etablieren. Wo kommt ihr her? – Deutschland. – Oh, da hab ich auch mal gewohnt. Was macht ihr hier – Studieren. An der Cal Poly Pomona. – Was für ein Zufall, da war ich auch. Witzig ist nur, dass man sogar Feuerwehrmänner und Schuhverkäufer findet, die in Pomona studiert haben. Soll man dem Glauben schenken?

Das gute Essen bekamen wir bei Burger King, denn was anderes haben wir nicht gefunden. Und da das Wetter in SF zwar gut aber halt etwas kälter ist, verzichteten wir auf großartige

Ansprüche und gaben uns mit einem Whopper-Menü zufrieden. Der nächste Tag konnte wohl nur besser werden.

Samstag, 16. September

Wir checken aus. Schimmel an den Wänden, dreckige Bettlaken und das Frühstück im Stehen in der „Lobby“ bringen uns dazu, das Globe Hostel zu verlassen. Die andere Gruppe muss ihr Hotel auch wieder verlassen, da sie dort nur ein Zimmer für eine Nacht finden konnten. Der ganze Ärger sollte vergessen sein und wir wollten doch die wenige Zeit in SF gemeinsam verbringen. Wir waren schneller mit der Suche und fuhren hoch Richtung Hafenviertel. In der Lombard Street werden wir fündig und quartieren und im Surf Motel ein. Wir 7 bekommen die Suite mit zwei Queensize-Betten und einem Schlafsofa. Ingesamt sind es gute Zimmer für knappe 25 Dollar pro Nacht pro Person. Da kann man nicht meckern. Offiziell wohnen wir allerdings nur zu 6t dort…also besser nicht erwischen lassen.

Wir legen nur schnell unsere Sachen ab, und schon soll es losgehen, SF zu erleben. Als erstes laufen wir die Lombard Street hoch. Junge, die haben hier gut Steigung. Wie bei einer Berg-wanderung, nur auf heißem Asphalt erklimmen wir die Straßen hoch zum Sterling Park, ei-nem kleinen aber feinen Park, von der wir eine schöne Aussicht über die Stadt haben. Weiter geht es zur bekannten Crook Street, einer edlen serpentinenähnlichen Straße, dessen Häuser an die Villen von Blankenese erinnern. Im Hintergrund fahren die Cable Cars herum, deren Fahrer lauthals die Passagiere unterhalten und Autofahrer, die den Weg blockieren, beschimp-fen.

Wir machen ordentlich Fotos, damit das ganze auch beweisbar ist. Noch immer viel zu viele neue Bilder im kopf, die kaum zu verarbeiten sind. Dazu die Nachwehen vom Jet-Lag. Da musst du durch!

Weiter geht’s zur Küste. Fisherman’s Wharf ist das Hafenviertel mit vielen Touristen. Nichts-destotrotz hat es richtig schöne Piers und tolle Restaurants. Für mich bitte das Krabbensand-wich und dazu ein Bier. Bier ist teuer in Amerika und schlecht dazu.

Wir kaufen Karten für Alkatraz. Das Hochsicherheitsgefängnis ist nicht mehr in Betrieb und nun zu einer Touristenattrakion geworden. Matze überlegt noch, denn er ist etwas empfind-lich, was Seegang anbelangt. Und Alkatraz ist nun mal nur über den Seeweg erreichbar. Wir buchen für den nächsten Tag, da für heute alles ausgebucht ist. Weiter am Pier gibt es Stra-ßenkunst. Breakdancer, Slapstick und Stand-up wird einem hier geboten und ist dafür ziem-lich gut. Dann der Pier mit den Seehunden. Kein Mensch weiß warum, aber hier tummeln Dutzende von Seehunden im Wasser herum. Die Menschen gucken begeister und Gary Lar-son würde in einem Comic sicher die Seehund darstellen, wie sie über die Menschen lachen und sich erzählen: Sieh dir die dummen Menschen an mit ihren Fotoapparaten, haben die nix besseres zu tun?

Natürlich wollen wir uns auch die Cable Cars nicht entgehen lassen, und so gehen wir zu ei-ner dieser Anfang- und Endpunkte und stellen fest: Man muss ca. eineinhalb Stunden warten bis man rankommt. Dazu sind wir dann doch nicht bereit und wir verschieben das ganze auf den nächsten Tag.

Mit dem Bus geht es dann nach Chinatown. Im Uncle Restaurant bekommen wir für wenig Geld sehr gutes Essen, dafür sieht man aber auch die Fische tot im Aquarium schwimmen. Naja, wie in jedem Chinatown gilt: Je ekeliger die Location, desto besser das Essen!

Auf dem Weg zurück zum Surf Motel kaufen wir noch Vodka in einem Liqour Store. Alkohol ist recht teuer, und die günstigste Vodka kostet uns knappe 10 Dollars. Dafür gibt’s auch ne braune Tüte drum herum.

Zurück im Motel wird noch die Ahoi-Brause ausgepackt. Kai brachte 15 Pakete…das sollte uns über die ersten Paar Tage retten. Jedoch waren alle zu müde um noch großartig zu trin-ken. Morgen soll’s anders sein!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.