Die anstrengendste Woche…
…ist genau heute zu Ende gegangen. Dienstag ein Paper abgegeben und einen Midterm geschrieben, der echt sehr verwirrend war. Ein Kommilitone hat sogar während der Klausur telefoniert. Ich dachte, das gibt doch bestimmt einen Täuschungsversuch, aber nix da! „Oh, müssen wir unser Handy ausschalten!?“ Was für ein Hafensänger. Sein Telefonat jedoch blieb ohne Konsequenzen.
Ein bisschen Vorbereitung hat sich gelohnt, das Ergebnis gab es bereits heute online (sind ja alles Multiple Choice Klausuren die ohnehin maschinell ausgelesen werden). 98%, also nur eine Frage falsch. Yuhuu!
Am Montag hatte übrigens unser jüngstes Mitglied der Truppe Geburtstag. Ariane ist 22 geworden, und traditionell amerikanisch gab es für sie von uns eine deftige Schokotorte mit ihrem Namen drauf. Um Mitternacht, als ihr Freund gerade zum Gratulieren anrief, haben wir uns mit der Hilfe ihres Roomies Kim in deren Apartment geschlichen und sie dann überrascht. Naja, vielleicht hat sie es ja auch schon geahnt, witzig war es trotzdem. Sorry Sebastian, dass wir euch unterbrochen haben…
Die Mädels haben ihr einen Teddy geschenkt, wir Jungs haben ihr einen roten Cowboyhut geschenkt. Dafür sind wir extra nach San Dimas in einen Westernladen gefahren. Großartiger Shop. Matze und ich haben uns Boots ausgesucht, und Kai und ich weiße Cowboyhüte. JETZT kann Vegas kommen!
Am gestrigen Abend dann hat Vanessa und zu sich eingeladen. Vanessa Gomez war den Sommer über in Hannover und studiert auch hier an der Cal Poly. Sie hat ein eigenes Haus und wohnt dort mit Mädels aus ihrer Verbindung zusammen. die Party kam nicht so richtig in Schwung, bis wir angefangen haben, „Eigekühlter Bommerlunder“ zu singen. Alle haben sie mitgesungen. Für Ariane gab es dann nochmal eine Schokotorte (diesmal rund).
Wir waren schon kurz davor, die Fete zu verlassen, da wir fast alle heute einen wieteren Miterm geschrieben haben, als wir plötzlich Gus kennenlernen. Gus ist ein Freund von Kai’s Mitbweohner Lisandro und tritt auf der Party in Zauberermanier auf. Immer ein Kartendeck dabei, zeigt er uns eindrucksvolle Kartentricks. Er ist wirklch gut und verblüfft uns alle mit echt guten Illusionen und Voraussagen. Bestimmt 45 Minuten zieht er uns in seinen Bann, und wir bekommen fast nichts davon mit, dass die Polzei mit zwei Streifenwagen vor der Tür steht und um ruhe bittet. Naja, wir spielen doch nur Karten. Die Musik wird leiser und Vanessa bekommt die Warnung, dass es beim nächsten mal teuer wird.
Bald darauf machen wir uns dann doch auf den Weg nach Hause. ich muss noch 70 Seiten lesen, und es ist bereits 01:00 Uhr. forste mich bis halb sechs durch die Unterlagen durch und stehe um halb neun wieder auf.
Der Midterm war OK, mal sehen was draus wird. Jedenfalls habe ich jetzt endlcih etwas Zeit, mich um die wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern: Karten für die American Music Awards in Beverly Hills bestellen. Die finden hier am 21. November statt mit Größen wie den Red Hot Chilli Peppers, Beyonce, Pussycat Dolls und vielen vielen Celebrities mehr. Na dan sind wa mal gespannt. Meine Wenigkeit verabschiedet sich nun ins Bett und wird sich sicher nach dem Wochenende wieder melden wenn es heißt: Viva Las Vegas!
Euer Daniel
Trick or Treat!!!
Das Wochenende vor Halloween…
Tja, endlich ist es soweit. Halloween rückt näher, und übermorgen heißt es: Trick or Treat!? Oder in einer billigen deutschen Übersetzung: Süßes oder Saures! Wir sind gespannt und es wurde uns dringenst empfohlen, Kostüme zu besorgen, denn Halloween heißt hier Party, Party, Party.
Gesagt, getan: Nach einem entspannten Freitag Nachmittag am Huntington Beach (leider haben wir keinen Klinsmann entdecken können) sind wir ins Irvine Spectrum Center gefahren, einer riesigen Ansammlung von stylischen Shops. Leider sind es keine Outlet Stores gewesen, und so blieb das große Geld-Ausgeben wieder einmal aus (meine Kreditkarte hat sich gefreut). Ich besorge mir in einem Kostümladen einen Hut, falsche Zähne und etwas Schminke (laut Beschreibung von einem echten Hollywood-Stylisten) und sehe einfach mal, was sich daraus machen lässt. Als alle etwas gefunden haben, machen wir uns wieder auf den Weg ins Village.
Sergio nimmt uns am Abend mit zu einer Fete in Rancho, ca. 25 Minuten von hier. Obwohl die Deutschen ja eigentlich immer pünktlich sind, hapert es diesmal am Verkleidungsdrang der Frauen.
Die Party findet zu unserem Verdruss im Garten statt. Man mag ja meinen, der Sunshine State hier bietet einem ununterbrochen gutes Wetter. Aber leider geht mit der Sonne abends auch immer die Hitze am Horizont verloren, und so frieren wir uns echt einen ab. Christian hält sich mit Tanzen fit, wobei wir der Meinung sind, dass er sich eher mit der Körperwärme der kleinen Blonden „erhitzt“.
Fast alle sind verkleidet, VIEL haben sie aber nicht an. Wir haben uns sagen lassen, dass Halloween für US-Teenies die einizge Gelegenheit im Jahr bietet, sich einmal als „Slut“ zu verkleiden (was ich hier nicht näher übersetzen möchte). Also egal was, hauptsache eng und betonend. Naja, wir sagen da nicht nein, gucken is ja erlaubt, sagen Kai’s und meine Blicke…
Leider ist das Durchschnittsalter der Fete etwa 5 Jahre jünger als unseres, und auch der Hausbesitzer scheint zu meinen, dass es doch um 01:00 Uhr an der Zeit ist, das Tohuwabohu zu beenden. Der Hispano-DJ schreit durch’s Mikro „Sorry Guys, but GO HOME“, und nachdem ein Jeder kapiert hat, dass die kein schlechter Scherz ist, verlassen wir alsbald die Fete und fahren zurück.
Angeblich sollte in Pomona selber noch eine Fete von einer Studentinnnen-Verbindung sein. Vicky anrufen, nach dem Weg fragen. Wir setzen Sergio zu Hause ab, und Christian fährt uns durch Pomona’s Gassen. Es ist in den USA ja strengstens verboten, sogenanntes Wegbier im Wagen zu verzehren (Drinking in Public ist nur in Vegas erlaubt), aber da die US-Schlitten ja alle getönte Scheiben haben, stört uns das weniger. „Wir werden ja eh nicht angehalten“ sagen wir uns und merken nicht, dass Christian mit 60 Meilen die Stunde durch eine 45-Zone rauscht.
Es wird taghell im Auto und nach der ersten Schrecksekunde erkennen wir, dass es kein UFO ist, dass da hinter uns herfligt. Spätestens als die kleinen blauen und roten Lichter sich drehten hörte man nur vom Fahrersitz ein lautes „Schei***e“ (versteht hier ja eh kein Mensch). „Ruhig Chris, Hände am Steuer, erklär ihm alles was du machst“ versuchen wir unseren Schumi zu beruhigen. „Knock Knock“ – „Who’s there?“ – „Officer Johnson!!!!“ – „D’oh!“. Wir haben keine Ahnung, warum sie uns angehalten haben, antworten wir wahrheitsgemäß auf seine Frage. „Are you serious!?“. Jaaha! Christian gibt ihm seinen Führerschein. „What’s that“ Na ein deutscher Füherschein, was denn sonst? „Oh you guys are German?“ – „YES!“ – „All of you?“ Sieht man das nicht, fragen wir uns uns realisieren just in diesem Moment, dass Officer Johnson vier verkleidete Deppen – einen 80er Jahre Rapper, einen 80er Jahre Rocker, einen Todesdoktor und einen Freddy Krüger – vor sich hat. „Are you guys familiar with our speed limits?“ Hmm, ja, natürlich. „Slow down, guys! Slow down“. Was für ein Glück kann man haben? Er lässt uns davon fahren, und uns allen ist die grpße Lust am Feiern vergangen. Später erfahre ich von Alex, dass ein Ticket für’s Speeding in der Stadt mal locker 300 Piepen kosten kann, Autsch!
Samstag Abend zeigt uns Sergio sein Lieblingsrestaurant: Emperors Mongolian BBQ. Eine Art Selbstbedienungsladen. Man sucht sich seine Zutaten aus, gibt sie dem Chef und dieser grillt sie dann auf einer Art Backstein. Sehr lecker, günstig und macht pappsatt!
Wir fahren noch einmal mit Sergio zu einer Fete, diesmal etwas Eher mit der Befürchtung eines erneuten frühen Abgangs. Christian freut sich, denn die Blonde von gestern wird auch wieder dort sein. Ein anderer Garten, das gleiche Publikum, aber bessere Stimung. Wir tanzen viel und gucken zu, wie sich verkleidete Amerikanerinnen und Amerikaner um den Preis des besten (in diesem Fall spärlichsten) Kostüm hauen. Wir lernen Nick kennen, ein netter Kerl der wie alle anderen Amis auch schon in Deutschland war und Verwandte dort hat. Unser Bacardi Razz geht langsam zu neige. 1,75 Liter-Flaschen, ein Traum!
Diesmal verläuft die Rückfahrt friedlich. Morgen wird gelernt, es stehen diese Woche 2 Midterms, ein Paper, eine Präsentation und eine weiter Halloween-Fete an. Das kann ja heiter werden.
…und der Canyon erwacht!
Am Freitag haben wir unsere sieben Sachen gepackt und sind los Richtung Arizona. 9 Stunden Autofahrt liegen vor uns uns. Ariane, Sibel, Susanne und Vicky bleiben in Pomona, die lange Fahrt und die Aussicht auf eine anstrengende Wandertour schreckt doch ein wenig ab.
Die Fahrt ist ganz witzig aber doch langweilig, denn die Strecke fuehrt meilenweit durch NICHTS. Einfach nur Wueste und Felsenlandschaft. Wir ueberqueren die Grenze zu Arizona mit schlechtem Gewissen, denn angeblich darf man kein Obst mit nach Arizona nehmen (die haben Angst vor Kaefern, die die Touristen aus anderen Staaten einschleppen).
Unser Hotel liegt in einer kleinen Stadt namens Tusayan, einem reinen Touriort direkt vor dem Suedeingang. Die Red Feather Lodge bietet uns 8 Leuten 2 nette Zimmer mit je zwei Queen-Size-Betten, das reicht fuer uns. Immerhin gibt es Gratis-Kaffee in der Lobby und W-Lan.
Wir sind alle muede von der Fahrt und hungrig, und so suchen wir uns eines der ueberteuren Restaurants in der Stadt. Das Steak ist gut, dazu gibt es Bohnen und scharfe Saucen. Gott-sei-Dank nimmt Christian dasselbe, denn mit ihm werde ich mir das Bett teilen
Chris, Bernie, Mareike und ich entscheiden uns dazu, den Bright Angels Trail, einen 9.6-Meilen-Pfad, zu bewandern, waehrend die anderen 4 lieber oben am Rim entlang fahren wollen und die Seniorentour machen. Da uns der Sonnenaufgang ans Herz gelegt wurde, machen wir uns um 5 Uhr morgens auf den Weg. So einfach ist das allerdings nicht, denn zu unserer Verwunderung muessen wir erst einmal die Scheibe vom Auto freikratzen. Es sind tatsaechlich Minusgrade, und im Zwiebelprinzip angezogen (zwei T-Shirts und zwei Pullover) setze ich mir bibbernd hinters Steuer.
25 Dollar pro Auto sind angemessen, und so suchen wir im Dunkeln den Weg zu dem Punkt, von dem aus wir Starten wollen. Auto geparkt, nochmal checken, ob wir genug Wasser dabei haben, und los geht’s. Die erste halbe Stunde sehen wir noch recht wenig, nur graue Felsen und schwarze Tiefen. Als jedoch gegen viertel nach sechs die Sonne so langsame Farbe ins Spiel bringt, erheben sich vor unseren Augen die grossen Ungetueme von roten und weissen Steinen, gruenen Pflanzen und rotem Fluss. Es ist atemberaubend, und wir geniessen den Sonnenaufgang von einem kleinen Felsvorsprung und machen wie verrueckt Fotos. Natuerlich faengt man mit einer Kamera nicht halbsoviel Atmosphaere ein, wie man live erlebt.
Weiter geht’s. Die ersten Hardcore-Wanderer kommen uns mit Sack und Pack entgegen. Die haben teilweise die letzten 5 Tage im Canyon verbracht und sind gerade auf dem Nach-Hause-Weg. Wir vier, in Jeans, T-Shirt (mittlerweile ist es warm geworden), und nur wenig Gepaeck werden von vielen schief belaechelt, aber trotzdem ist jeder Wanderer freundlich und gruesst immer nett. Uns wundert, dass es trotz fehlender Muelleimer sehr sauber auf den Wegen ist, muss wohl an der Mentalitaet von Outdoor-Freunden liegen. Wir freunen uns und nehmen fleissig unsere Bananenschalen wieder mit uns mit.
Unser Ziel, den Indian Garden, erreich wir nach 4.5 Meilen und ca. 3 Stunden. Hier treffen wir eine Wandergruppe, die mit Mulis unterwegs sind und sich schoen von den Packtieren tragen lassen. Einige Wanderer geben uns Tipps, was wir uns hier unten angucken sollen, und so machen wir uns doch noch auf den Weg zum Plateau Point, von dem man einen tollen Blick auf den Colorado-River haben soll. Direkt zum Fluss zu laufen wird uns nicht empfohlen, denn dies ist nochmal eine ganz schoen weite Strecke und lohnt sich nicht, sagen einige! So nehmen wir die Kinderstrecke von 1.5 Meilen auf uns und gelangen an einen Abgrund. Wir befinden uns ca. in 1000 Meter Hoehe, und runter zum River dauert es im Freifall sicher keine 10 Sekunden. Schreckliche Vorstellung, aber Christian und ich lassen es uns nicht nehmen, auf einem alleinstehenden Felsen ein paar Stunts zu performen. Bernie bekommt fast nen Herzinfarkt und Mareike macht fleissig die Fotos. Die koennt ihr uebrigens wie immer auf Pixum (siehe Links) anschauen.
Bald muessen wir uns auch wieder auf den Rueckweg machen. Wir rechnen damit, ca. 5 Stunden fuer den Aufstieg zu brauchen. Der Trail ist ziemlich steil und mittlerweilse brennt auch die Sonne ganz gut auf den Pfad (nachdem wir den kompletten Abstieg im Schatten gewandert sind, ist das eigentlich ganz angenehm).
Im Indian Garden fuellen wir noch einmal unsere Wasserflaschen, denn ab jetzt gibt es keine Moeglichkeit mehr, Wasser zu bekommen. Eine Reisegruppe aus Philadelphia schenkt uns noch getrocknete Fruechte und eine Salami, und halbwegs gestaerkt treten wir den Aufstieg an.
Wir brauchen zu unserer Freude nur knappe 3 Stunden bis zum South Rim, allerdings haben wir auch ein sehr maennliches Tempo an den Tag gelegt. Lediglich Chrisitan scheint ganz unberuehrt von den Anstrengungen zu sein, der alter Fuchs ist ja auch trainierter Marathonlaeufer…
Total fertig kehren wir um 14:00 Uhr wieder ins Hotel zurueck, um uns mit Dusche und Kaffee ein wenig wachzuruetteln. Nach einem Geburtstaganruf bei meiner Suessen (ich schaffe es um Punkt Mitternacht deutscher Zeit) und einer halben Stunde Power-Doesen machen wir uns erneut auf den Weg in den Park. Diesmal jedoch nutzen wir unser Auto als haupt-Fortbewegungsmittel, 9 Stunden Wandern hinterlassen so seine Spuren. Wir fahren zu einigen schoenen Aussichtspunkten wie z.Bsp. dem Desert View, von dem man den Canyon und die dahinterliegende Wueste sehen kann, und wo ein alter indianischer Watchtower steht. Natuerlich fehlen hier auch die Souvenir-Shops nicht, die fuer ueberteures Geld lausige Poster und handgewebte Teppiche verhoekern.
An einem weniger bevoelkerten Punkt des Canyons lassen wir uns dann nieder um den Sonnenuntergang zu sehen. Enttaeuschendweise geht die Sonne total schnell unter, wir koennen sogar mitzaehlen. Christian und ich haben uns ein Feierabend-Bierchen mitgenommen und stossen im mittlerweile lila-gefaerbten Canyon an.
Der Canyon legt sich wieder schlafen und genau darauf freuen wir uns auch.
Am Sonntag nehmen wir nochmal das Fruehstueck im Hotel mit, welches aus angelieferten, eingeschweissten Muffins und Kuchstuecken besteht. Immerhin gibt es O-Saft und Kaffee. Fuer 30 Dollar die Nacht ist das OK.
Die Rueckfahrt verbringe ich groesstenteils mit Schlafen. Das Wandern wird mir noch einige Tage in den Knien bemerkbar bleiben.
Sonntag, 15 Oktober
endlich ausgeschlafen. Eigentlich wollten wir heute zum Strand fahren und dort mit Herrn Dr. Lange und seiner Frau den Tag verbringen. Er hatte uns ganz zu Anfang zum BBQ eingeladen und vorgeschlagen, den Nachmittag ueber die Sonne zu geniessen. Leider hat sich letztere heute dazu entschieden, nicht zu erscheinen, und so entscheiden wir spontan, den Nachmittag zum Lernen zu nutzen.
Viel habe ich nicht geschafft – aber viel muss ich auch nicht machen. Das Niveau ist nicht soooo hoch hier, und alles was ich hier lerne kann man mit dem Common Sense ebenso gut nachvollziehen; zumindest brauch man hier keine fundierten Vorkenntnisse.
Die Fahrt zu Dr. Lange dauert eine knappe Stunde. Wir spielen „Wer bin ich“ und nach Hans Maulwurf, Neptun, A-Hoernchen und David Hasselhoff gelangen wir in eine kleines Oertchen names Aliso Viejo. Ein Reihenhaus mit wunderbarer Aussicht auf die 5-Jahre alte Stadt Mission-irgendwas. Bei Nacht sah dies ziemlich cool aus. Insgesamt scheint dies hier eine gute Gegend zu sein: der Beruf Professor in Kalifornien wird zu meiner Liste potentieller Jobs hinzugefuegt.
Ausser uns Deutschen waren nur 4 von den Amis da: Sergio, Jose (der mexikanischer Bier mitgebracht hat), Jenna und Danielle. Dr. Lange hat leider nicht so viel Musikauswahl und so hoeren wir Anfangs Tina Turner. Naja, dafuer hat er Beck’s gekauft…
Auf der Terrasse haengt eine Riiiiesengrosse Haengematte, die wir natuerlich gleich mal zu unserer machten (waehrend die Maedels das Fleisch vorbereiteten…). Ab und zu darf man auch das einmal.
Der Abend ist witzig und Dr. Lange erzaehlt viel ueber Kalifornien und die Gruppen vom letzten Jahr. Chrisitian haut beim Essen so richtig rein: er ist schliesslich heute morgen den Long Beach Marathon mitgelaufen und muss seine ca. 5000 verlorenen Kilokalorien wieder reinbekommen.
Gegen Mitternacht verlassen wir die Lange-Mansion und fahren zurueck nach Pomona. Ein bisschen noch bei Kai rumhaengen, und dann frueh (so um zwei) ins Bett. Mittwoch liegt ein Mid-Term-Test an, Multiple-Choice zwar nur, aber es sind 60 Fragen. Ein bisschen sollte ich dafuer schon ueben.
Montag, 16. Oktober
Heute passiert nix Spannendes. Ein bisschen Management-Vorlesung in einem Theater (da der eigentliche Raum vergeben ist). Dr LianLian Lin hat einen schrecklichen chinesischen Akzent. Sie vergibt Sternchen fuer jedwede Beteiligung am Unterricht und hat ihren Lui immer bei sich, der alle Studenten aufschreibt, die einen Beitrag leisten. Die Amerikaner sind hinter diesen Punkten ziemlich hinterher, und so hoert man immer mal wieder den einen oder anderen Fluch, wenn jemand gerade mal nicht dran gekommen ist. Mit 7 deutschen sind wir recht gut vertreten und sahnen gut Punkte ab. Ariane ist der festen Ueberzeugung, dass die Dozentin mittlerweile sogar meinen Namen kennt, aber ich bin mir da nicht so sicher (schliesslich sind wir immerhin an die 120 Leute im Kurs). Egal, ein Sternchen hab ich trotzdem bekommen.
Am Nachmittag dann wieder eine Lernphase. Lesen, Aufgaben machen, Lesen, Paper schreiben. Gott-sei-Dank ist das alles so verdaubar, dass ich noch ein wenig Musik nebenbei hoeren kann. Es liesse sich auch nicht vermeiden, denn ich habe Alex mittlerweile ein wenig deutsche Musik gezeigt und so hoert er sich gerade Scooter und aehnliches Zeug aus den 90ern an.
Am Abend veranstaltet das Community Center einen Spieleabend. im „Villagio“ als Anlehnung an des Bellagio in Las Vegas wird gepokert, Roulette gespielt und gewuerfelt. Leider muss ich mich noch um meine Marketing-Aufgaben fuer morgen kuemmern, sonst waere ich eingestiegen.
Mein Lernabend geht noch bis um halb sechs, wobei ich zwischendurch nochmal mit Matze und Kai „Be Cool“ gesehen habe (um uns nochmal einige Locations fuer L.A. auszusuchen). Das Village ist nur nachts richtig ruhig und keiner stoert einen!
Neues…
…von mir. Eine weitere Episode meiner Kalifornien-Fahrt ist niedergeschrieben. Leider fehlen mir nun zwischen dem letzten Mal und diesem Teil einige Tage, aber auch die sind in Arbeit. Sie wären längst fertig, wenn ich nicht zwischdurch auch noch was für die Uni tun müsste: Frechheit. Aber mit dem Folgenden seid ihr hoffentlich erst einmal ein wenig beschäftigt. Viel Spaß beim Lesen!!!
Montag, 2. Oktober
Heute sind wir dran mit Bücher kopieren. Ich habe drei reguläre Vorlesungen, das bedeutet drei Bücher, die umgerechnet JEWEILS 100 EURO kosten. Das sieht keiner von uns ein, und so sitzen wir am Montagnachmittag mit 5 Leuten im Copy & Mail Shop und kopieren pro Nase an die 700 Seiten Literatur. Der Shop macht sein Ge-schäft des Lebens, so zumindest empfinden wir es gerade. Es ist uns egal, denn damit sparen wir ziemlich viel Geld, und so kopieren wir…und kopieren…und kopie-ren.
Wir sind heute das erste Mal mit dem campusinternen Shuttlebus gefahren. Oh mein Gott, dauert das lange. Wenn wir vom Village laufen, brauchen wir vielleicht 10 Minu-ten zum Campus; Mit dem Bus haben wir etwa eine halbe Stunde gebraucht, denn der Busfahrer ist schlimmer als die Deutsche Bahn. An jeder Haltestelle braucht er mindestens 5 Minuten, um SMS zu schreiben und mit seinem Office zu kommunizieren. NIIIIE wieder werde ich den Bronco-Express nehmen.
Mittwoch, 4. Oktober
Ein normaler Unitag. Normal, da mittlerweile zumindest auf dem Campus wieder Alltag eingekehrt ist. Nicht länger Alpha, Omega, Psi an jeder Ecke (die Studentenverbindungen genießen hier einen anderen Status als in Deutschland). Keine Navy, die einen zur beruflichen Karriere überreden will.
Kai und Matze sind zu Fußball-Gucken nach San Bernadino gefahren, da die beiden eh keine Classes haben. Meine Wenigkeit stellt sich der Management-Vorlesung und döst so vor sich hin, denn es ist einfach nur tierisch langweilig. Ich freue mich auf den Pool, der am Nachmittag auf mich wartet und an dem ich meine Aufgaben für mor-gen erledigen werde.
Abends habe ich dann wieder Karate. Hoffentlich starten wir so richtig durch heute, denke ich mir und…Pustekuchen. Diesmal ist der Mann mit Training dran und wir stehen 90 Minuten lang da und lernen, wie man einen Stoß richtig macht. Oh Mann, wirklich alles nur Anfänger. Naja, die müssen’s ja auch mal lernen, denke ich mir und zeige dem einen oder anderen, wie man denn eine richtige Faust bildet. Zwischendurch fallen einige Leute erschöpft zu Boden. Als Ausgleich zum anstrengenden Karate-Stand gibt es dafür 50 Liegestützen. Na super! Ist ja wie damals bei meinem alten Trainer. Während wir dann noch 100 Extra-Situps machen erzählt unser Trainer seelenruhig davon, wie er auf dem Weg zum Training von der Polizei angehalten wurde und fälschlicherweise als Autodieb beschuldigt wurde.
Meinen Anzug habe ich auch nicht bekommen. Ich sehe einige Erfahrene ihr eigenes Ding machen und geselle mich zu denen. Der Trainer kommt nach dem Kurs zu mir und ich dachte, jetzt gibt’s was auf den Rüffel. „Hi, good job today, I guess you’re not a beginner!?“ – „No, not really. I’m into Karate since I am 9“ – „Great, so you can help me out some time when I’m really busy?“ – „Sure, I’d be pleased to help you“ – „Nice! By the way, I’m Ray.“ So sind Ray und ich jetzt dicke und ich werde ihm ab jetzt ein bisschen unter die Arme greifen.
Donnerstag, 5. Oktober
Heute ist wieder Quizzzzzz-Tag. Statistik war ja nie so mein ding, aber das Niveau ist nicht sooo hoch hier. Dürfte machbar sein.
Abends fahren wir nach Pasadena. Ein Ort, etwa 40 Minuten von Pomona entfernt, bekannt für seine kultigen Bars, Restaurants und Clubs. Eigentlich wollen wir nur et-was trinken gehen, landen jedoch in einem Club namens Menage. Die Türsteher mustern uns (Shorts, T-Shirt) mit einem kritischen Blick und checken unsere Auswei-se. Lucky Us, wir kommen rein. Viktoria hat sich gleich in den ersten Minuten einen Typen geangelt und musste ab dann nichts mehr zahlen. Glück für sie, denn die Cocktails kosten hier alle `nen Zehner.
Alex ist auch mitgefahren und meinte, einen Cocktail könnte er vertragen. Das Prob-lem: Er verträgt allgemein keinen Alkohol und ist immer ziemlich schnell „Buzzed!“ (angetrunken). Nach einem Ottios und einem Bier bin ich gespannt, ob er noch fah-ren wird und kann.
Der Club ist schlecht. Der DJ kann nicht mischen und die Leute sind alle etwas durchgeknallt. Anscheinend gibt es hier 3 Floors, wovon wir jedoch nur eine zu Ge-sicht bekommen. Plötzlich geht oberhalb der Tanzfläche ein Licht an, und man sieht einen Raum, der vorher nicht zu sehen war. Drei leicht bekleidete Mädels fangen an, ihre Hüften unprofessionell hin und her zu bewegen. Nach einiger Zeit guckt auch dort keiner mehr hin. Wir machen unseren eigenen spaß, mit 12 Leuten ist dies auch nicht weiter schwer. Sogar Bernie erklimmt die Tanzfläche und rockt zu Justin Tim-berlake und Co.
Schwer geschafft vom Tanzen und völlig Pleite verlassen wir Pasadena wieder Rich-tung Pomona. Das Gute an Clubs in den USA: Man riecht absolut nicht nach Rauch. Die Luft in einer Bar, einem Restaurant oder einer Disco ist so sauber wie die in der Uni. Überall Belüftung, Air Condition und Rauchverbot: Angenehm!
Alex fährt tatsächlich noch und scheint auch nüchtern zu sein. Kaum sind wir jedoch zurück, fängt er zu lallen an und schwankt bedrohlich nach links und rechts aus. Ich schieb’s darauf, dass wir gerade in Gegenwart von Kim sind und hoffe, dass er ein-fach nur prahlen will, was er alles getrunken hat. Nachdem ich mir das eingeredet habe, kann ich beruhigt schlafen…
Freitag, 6. Oktober
Bernie hat’s geschafft. Nach ewig langer Überredungskunst fahren Christian, Bernie und ich zur Knott’s Berry Farm, dem ältesten Vergnügungspark Kaliforniens. Bernie besteht drauf, dass wir noch vor Öffnung des Parks da sind, und so stehen wir um 09:40 vor den Toren und warten. Neben uns ist eine Münchener Gruppe, die eben-falls gespannt ist und eine Semi-Professionelle Videokamera dazu nutzen, alles akri-bisch aufzunehmen.
Um Punkt 10:00 Uhr ertönt die Lautsprecherstimme: „Ladies and Gentlemen, welco-me to Knott’s Berry Farm. Enjoy your day and now…please raise your hand for the national anthem!“ Das darf nicht wahr sein, selbst bei einer Parköffnung spielen die Stars and Stripes. Etwas zu viel des Guten.
Der Tag war witzig. Es war nicht sehr viel los, und so huschten wir nur so durch jede Achterbahn durch. Bernie als Roller-Coaster-Spezi konnte alles über jede Attraktion erzählen, wusste, wann die Silver Bullet gebaut wurde, welche Bahn vom Nobelher-steller aus der Schweiz stammt, welche Bahn mal gar nicht zu empfehlen ist und was so in den nächsten Jahren an Neuheiten geplant ist.
Außer den Achterbahnen jedoch ist der Park eine Enttäuschung. Da ist der Heide-Park definitiv cooler, aber uns geht es ja nur um die schnellen Sachen, und dafür hat sich’s gelohnt. Eine Riesenholzachterbahn, eine Hängebahn, die mindestens 3mal so cool ist wie die Limit in Soltau, und als Highlight die „Excelerator“, bei der man mit einer Hammerbeschleunigung in ca. 70 Meter Höhe geschleudert wird und quasi senkrecht wieder herunterfährt. Großartig!
Der Tag hat uns müde gemacht, und um halb sechs machen wir uns auf Richtung Village. Auf dem Weg hauen wir uns noch schnell einen In’n’Out-Burger rein, wo wir Nelson (einer der US-Studenten, die in Hannover waren) treffen.
Am Abend passiert nicht mehr viel. Ich lerne zum ersten Mal Poker spielen, was na-türlich nicht so erfolgreich verläuft. Spaß macht’s trotzdem, und schließlich müssen wir für Vegas üben. Irgendiwe muss ich mir meinen Hawaii-Urlaub ja finanzieren!
Samstag, 7. Oktober
Heute waren wir auf einem Tagestrip in San Diego unterwegs. Völlig planlos, ohne konkretes Ziel fahren wir um halb zehn los, nachdem für acht Uhr die Abfahrt geplant war…Typisch! Linda, eine der Amerikanerin, die den Sommer über in Deutschland verbracht hat, hat sich bereit erklärt uns zu begleiten…damit sparen wir uns den Är-ger, ein weiteres Auto zu mieten.
Nach drei Stunden – die Straßen sind nicht gerade leer – erreichen wir die Hafenstadt. Das Wetter ist wieder mal großartig. Es ist komisch, dass man die Sonne hier nicht satt ist. In Deutschland hätte man nach einiger Zeit das Verlangen nach einer Abküh-lung oder sogar mal einem Regentag. Aber hier…Alles supi!
Erster Stopp: SD Downtown. Wir parken am Stadtrand und laufen den ganzen Weg in die Stadt hinein. Gaslamp Quarter ist eine schöne Gegend mit einer alten Gaslam-pen-Tradition. Bei Nacht soll es toll aussehen, bei Tag sehen wir nur viele Kneipen, Strip-Schuppen und Erotikkaufhäuser. Wir gelangen zum Hafen und sehen viele teu-re Yachten, die in der Sonne im Wasser hin- und hertaumeln. Mit der schönsten Sky-line, die ich bisher gesehen habe (SD Convention Center, Mariott Hotel) und einem Flugzeugträger, den man besichtigen kann. Ja, San Diego ist bekannt für die Navy, alle paar Minuten sieht man Fluggeschwader des Seemilitärs durch den Himmel ja-gen und landen auf der Halbinsel Coronado (auf der wir später noch am Strand Foot-ball spielen sollen). Am Pier: Eine Hochzeit. Matze, Kai, Bernie und ich sitzen und beobachten, wie die Braut mit ihren Jungfern ankommt…Bereits angetrunken laufen sie zu dem riesigen Zelt, das eigens für den Festtag aufgebaut wurde. Daneben das typische Bild einer amerikanischen Hochzeit: Der weiße Bogen und rund 100 weiße Stühle davor, mit Blick direkt aufs Wasser. Die Wedding-Plannerin läuft zügig, aber nicht gehetzt durch die Reihen und checkt noch einmal, ob auch alles sitzt. Die ers-ten Gäste sitzen am Pavillon und trinken Sekt. WOW! Hier möchte ich auch heiraten.
Wir spazieren am Pier entlang und gönnen uns Chilli Cheese Fries in einem kleinen Hof. Ein Gitarrenspieler klimpert schnulzige Musik (Cat Stevens, Sting) am Brunnen und in der Sonne kommen einem warme Gedanken.
Weiter geht’s…die Mädels wollen in die Stadt und shoppen. Wir trennen uns. Am Ha-fen träumen wir von Jet-Ski-Fahren und davon, was wir mit dem derzeitigen Jackpot von knapp 30 Mio. Euro machen, den wir demnächst gewinnen. Wir schlendern zur Stadt zurück und auf dem Weg gehen wir durch das riesige Convention Center, wo derzeit ein Kongress über Dentalmedizin stattfindet. Wir sind uns nicht sicher, ob wir hier durch dürfen…Wie dürfen nicht. Aber irgendwie gelangen wir auch hier wieder zur Straße und machen uns auf dem Weg zurück zum Wagen.
Nächste Station: Coronado Island. Zur einen Hälfte von der Navy besetzt, ist dieses Eiland bekannt für sein Hotel und den superschönen Strand, an dem der Sand wie Gold erscheint und direkt über unseren Köpfen die Maschinen der Navy starten. Di-rekt am Hotel lassen wir uns nieder. Das Wasser ist richtig kalt und so geben wir uns mit Football-Spielen zufrieden. Eine kleine Felsenwand trennt die Hotelgäste vom Pöbel und auf der Felslandschaft finden sich allerhand Organismen und Frauen, die sich hier professionell fotografieren lassen.
Nach einer Stunde machen wir uns aus Gründen der wachsenden Gänsehaut wieder aus dem Staub. Wir wollen noch nach Old Town, einem netten kleinen Dorf, aus dem San Diego letztendlich entstanden ist und in der es viele kleine Souvenirgeschäfte gibt. Bernhard geht es leider nicht so gut und so bleibt er auf halber Strecke in einer öffentlichen Toilette hängen. Letztendlich ist Old Town doch nicht sooo interessant und mittlerweile haben auch einfach alle nur tierischen Hunger.
Für heute Abend haben wir uns mit Emine verabredet. Emine studiert mit uns in Hannover und ist für dieses Semester an der San Diego State University. Sie hat ei-nen Tisch bei einem Mexikaner am Mission Blvd reserviert, und wir versuchen, ohne Karte und Plan von Old Town dort hin zu kommen. Dieses Unterfangen stellt sich als komplizierter heraus als gedacht, und so brauchen wir bestimmt eine Dreiviertelstun-de, bis wir endlich auf dem Parkplatz angekommen. Dafür nimmt dort sofort ein An-gestellter des Restaurants unser Auto in empfang und parkt es für uns.
Wir bekommen einen Tisch auf der Terrasse und unsere Befürchtungen, es könnte zu kalt sein, stellen sich als unsinnig heraus, denn um uns herum werden 3 große Heizstrahler aufgestellt, die das Essen sicher einen ganzen Abend lang warm halten würden.
Das Restaurant sieht exklusiv aus, und so sind ebenfalls die Preise, zumindest die für Fisch. Nichtsdestotrotz bestelle ich mir gebratenen Lachs und werde trotz der ü-bersichtlichen Portion mehr als satt. Die Cola jedoch schmeckt zu 90% nach Chlor, und so verzichte ich dankend auf einen Refill, auch wenn’s umsonst ist.
Ein schöner Abend geht zu Ende, und es bleibt die Aussicht auf eine zweieinhalb-stündige Rückfahrt. Mareike erbarmt sich zu fahren (ich bin ihr jetzt noch dankbar dafür), denn ich bin todmüde und hoffe, dass irgendein anderer wach bleibt um Ma-reike Fahrergesellschaft zu leisten.
Sonntag, 8. Oktober
Heute ist ein Lenz-Tag angesagt. Wir wollen einfach mal nichtstun. Und wie das halt mit dem Nichtstun so ist, man kommt einfach nicht dazu! Nach dem Aufstehen gehen Kai, Matze und ich los, um uns das Fußballspiel der Damen anzuschauen. Diesmal mit Deutschlandflagge in der Hand, stehen wir sogar bei der National Anthem auf, nur drehen WIR uns zu UNSERER Flagge. Man erzählte uns anschließend, dass man an anderen Plätzen dafür erschossen werden kann. Wir haben trotzdem das Gefühl, mit unserer Provokation ein bisschen den amerikanischen Patriotismus zu Fall gebracht zu haben.
Das Spiel verläuft recht langweilig und ohne viel Action. Ein Gegentor zur Halbzeit, und die Stimmung im Arsch (wie auch, es sind ja nur Eltern auf der Tribüne). Ich ma-che mich wieder auf die Socken, um endlich am Pool zu liegen und nichts zu tun. Das schaffe ich ganze 90 Minuten, dann geht es ab zum Einkaufen. Wir wollen heute Abend am Pool grillen und haben dazu auch die anderen Deutschen aus dem Village eingeladen. Die kommen aus Biberach und reden anders als wir, sind aber suuper-nett. Die zwei Mädels und ein Kerl (eigentlich wäre sie zu viert, aber der Vierte im Bunde hat was gegen Interkontinentalflüge und wollte nach zwei Anläufen immer noch nicht ins Flugzeug einsteigen). So kaufen wir Grillsachen für 80 Dollar und schmeißen pünktlich um 19:00 Uhr den für alle zugänglich gemachten Riesengrill an. Der Abend wird chillig, neben beleuchtetem Schwimmbecken und in einer lauwarmen Nacht. Nur Sterne sind Wenige zu sehen, dafür sind wir zu nah im Großraum L.A., und der Smog verbirgt die Sicht auf die Sterne. Um 22:00 Uhr kommt die Aufsicht und will den Pool abschließen, und wir räumen widerwillig das Feld, voller Erwartung auf die kommende Uni-Woche…
Montag, 9. Oktober
Heute bin ich bei Sergio zu Hause. Sergio ist ein US-Mexikaner, der im Sommer e-benfalls bei uns war. Er ist begeisterter Gitarrist und keine 5 Minuten, nachdem ich ihm erzählt habe, dass ich Schlagzeug spiele, haben wir Pläne für eine Jam-Session gemacht. Gesagt getan, Sergio holt mich vom Village ab und wir fahren in eine klei-nes Wohngebiet am Rande Pomonas, direkt auf der Grenze zu Claremont. Ein nied-liches Haus, wie man es aus US-Filmen kennt. Im Wintergarten steht, wenn auch in Einzelteile zerlegt, ein verstaubtes Drumset, und nach einiger Tüftelei kommen da auch Töne raus. Sergio’s Mum ist auch ganz begeistert, und obwohl sie nur Spanisch spricht, kann ich merken, dass sie mich mag…
Wir jammen ungefähr zwei Stunden, spielen Sachen von Green Day, von Nirvana und versuchen uns an neuer Musik wie den Arctic Monkeys.
Auf dem Rückweg fahren wir noch durch Pomona durch, und Sergio zeigt mir das Glas House, eine Location wo Bands wie Eagles of Death Metal und auch schon Blink 182 gespielt haben. Wir sehen uns das aktuelle Programm an und kaufen spon-tan Karten für „The Rapture“, die demnächst hier gastieren. Außerdem überlege ich, ob ich mir im Dezember noch „…And You Will Know Us By the Trail of Dead!“ anse-hen soll.
Am Abend vergrillen wir noch die Reste des Vorabends. Wieder Burger. In den nächsten Tagen werde ich nur Gemüse essen…
Mittwoch, 11. Oktober
Mai, Katze und ich gehen heute wieder einmal zum Deutsch-Kurs. Frau Daniel ist we immer sehr erfreut, und gerade heute ist es recht interessant da einige von den Deutschen eine Präsentation über Reiseziele in Deutschland halten. Der Vortrag ü-ber München gefällt mir ganz Besonders, nur Matze ist enttäuscht, da ER eigentlich etwas über München erzählen wollte. Meine Präsentation über Ostfriesland ist auch schon in Arbeit, sie wird auf jeden Fall sehr bilderreich. Einer der Deutsch-Studenten regt sich über das Computersystem hier an der Cal Poly auf, und benutzt doch recht raue deutsche Wörter. Frau Daniel sagt im Eifer des Gefechts: Irgendwann haue ich sie noch einmal tot! Wir gucken geschockt drein und versuchen uns einzureden, dass Frau Daniel einfach schon zuuuu lange in den USA lebt und vielleicht gar nicht mehr weiß, was sie da auf Deutsch stammelt.
Bernie ist heute ins Disneyland gefahren – schon wieder, und diesmal sogar alleine. Er hat sich am Montag eine Jahreskarte gekauft und will dies nun natürlich ausnut-zen. Mittwochs wird nun sein Disneyland-Tag.
Juhu, endlich bekomme ich meinen Karate-Gi (Anzug). Es ist der dünnste Kampfsport-Anzu, den ich besitze und sage mir, für 20 EURO ist das in Ordnung. Gibt dafür auch gleich `nen schwarzen Gürtel dazu ☺.
Ich rede mit einigen erfahrenen Sportlern aus meinem Karate-Kurs. Einige von ihnen werden demnächst einen Martial-Arts-Club gründen, quasi ein interdisziplinärer Kurs für alle möglichen Stile. Ich melde mein Interesse an und hoffe, dass sich etwas Ernstes daraus ergibt und nicht mal wieder nur so ein Spruch ist.
Geschafft vom Training geht es zurück zur ins Village. Auf dem Sportplatz bauen sie gerade eine Bühne auf und verwandeln das ganze Athletic Field gerade in ein Festi-valgelände. Gefühle kommen hoch: Ob es jemals ein weiteres Rock am Deich geben wird? Hier in Cal Poly werden am Wochenende etwa 20 Bands spielen, darunter Dashboard Confessional, +44, Yellowcard und viele mehr. Leider kostet das ganze auch mal locker seine 60 Dollar und somit versuche ich mir einzureden, dass das sicher ganz doof wird, so ohne Alkohol und richtiger Stimmung.
Abends sitzen wir bei Kai. Sein Mitbewohner Lisandro bekommt Besuch von Tom, der uns gleich mal erzählt, dass er letztes Jahr am Austausch-Programm teilgenom-men hat. Wir schnacken und er erzählt uns von einem Gratis Stand-Up-Comedy-Club, der jeden Mittwoch in Ontario stattfindet. Gratis-Essen soll es auch geben, und so verplanen wir unsere nächsten Mittwoche… Nur heute haben wir noch einmal ein Treffen, was Hawaii betrifft. Das Hotel, welches wir bisher gebucht haben, ist nicht ganz so zufrieden stellend, und Viktoria hat tatsächlich noch ein gutes Angebot von einem Chicagoer Reisebüro bekommen, welches wir uns angucken. Um 23:00 Uhr dann verabschieden sich Kai und Matze, da sie noch einkaufen fahren (WinCo hat 24 Stunden auf). Ich verzichte, da die Einkäufe hier erfahrungsgemäß immer 2-3 Stun-den dauern, und gucke mit den Mädels Video.
Donnerstag, 12. Oktober 2006
Wir entscheiden endlich über Hawaii. Am 9. Dezember geht unser Flieger nach Maui. Wir werden vor Ort zwei Minivans zum Cruisen haben und zwei Apartments. Inklusi-ve Flug gibt’s das ganze für einen bezahlbaren Preis von knapp 700 EURO. Wir las-sen uns überraschen und freuen uns einfach, dass tatsächlich alle 12 von uns mit-kommen.
Unser Statistik-Kurs ist wiedermal überaus spannend. Alles schon mal gehört, und Bruce Brown ist heute noch verwirrter als sonst. Aber es ist ja wieder Qiuzzzz-Tag und so müssen wir uns der Herausforderung stellen. Wieder einmal werden die Tests gemischt und unkorrigiert wieder ausgeteilt, damit wir unsere Kommilitonen selber korrigieren. Ich bekomme Matze’s Test und trotz einem Fehler gebe ich ihm die volle Punktzahl. Darum schreiben wir alle mit Bleistift.
Während des Tests ein Aufschrei: Ein käfer macht sich an der Handtasche einer Mit-studentin zu schaffen. Bruce aber ist tough und springt dem armen Mädchen tapfer zu Hilfe. Seine rettende Maßnahme: Wie eine Zigarette zerdrückt er den „Bug“ mit seinem Schuh und entschuldigt sich sogleich: Wenn Kinder hier wären hätte ich das nicht getan!, sagt es und schubst den leblosen Käfer durch die Tür auf den Flur.
Unsere amerikanischen Kommilitonen planen ein BBQ für und mit uns, und außer-dem wollen sie uns einige Clubs zeigen. Wir freuen uns und nehmen uns vor, das Angebot demnächst anzunehmen.
Abends kommt Sam vorbei und wir fahren mit Alex, Sam, Will (ein chinesischer Freund von Sam, ein ABC=Asian Born Chinese) und unseren deutschen Jungs ins Montana’s, einer Bar etwa 10 Minuten entfernt. Es ist nicht wirklich viel los hier, und so verbringen wir nur ca. eine halbe Stunde hier. Kurz bevor wir wieder losziehen, stößt Carol, Sam’s Ex-Freundin, die diesen Sommer in Hannover war, zu uns. Sam ist beleidigt, da er unbedingt einen Männerabend wollte. Carol wusste das nicht und fühlt sich schlecht. Wir trösten sie, denn uns ist es ziemlich egal, ob noch etwas Ös-trogene dabei sind oder nicht. Sam und Carol vertragen sich und wir fahren los zum Diamond Plaza in Fullerton. Hier sind noch einige Bars offen und wir setzen uns in ein chinesisches Restaurant und bestellen exotische Eistees. Ich bekomme einen Mango-Milch-Tee, der gar nicht schlecht schmeckt. Bernhard trifft mal wieder voll ins Schwarze: Versehentlich ist sein Blick in die falsche Zeile der Speisekarte geraten und voller Stolz bestellt er eine Cheese-Coke (!). Nachdem ihn alle ganz angeekelt ansehen und die Bedienung nicht so recht weiß, was sie dazu sagen soll, klären wir Bernie auf: Es heißt Cheese-CAKE und ist ein Dessert…Wir liegen auf dem Boden zu lachen, und Bernie bekommt eine ganz normale Cola
Freitag, 13. Oktober 2006
Freitag, der 13te – mal sehen was der Tag so bringt. Vorsichtshalber habe ich mal keine Pläne. Nach der Pokernacht gestern (hab zum ersten Mal abgeräumt) bin ich leider nicht in der Lage, früh aufzustehen. Wieder ist es halb sechs geworden, bevor ich ins Bett gegangen bin.
Die Mädels fahren nach Los Angeles zum Sightseeing, die Jungs haben vor, an den Strand zu fahren. Meine Wenigkeit muss sich heute mit dem Aufseher herumschla-gen. Jedes Apartment muss ein „Housing Agreement“ unterschreiben. Was das ist? Ehrlich gesagt ist es lächerlich. Wir werden gefragt, ob wir damit einverstanden sind, wenn Besuch in der Wohnung ist. Ob hier jemand übernachten kann, ob man ein Nickerchen im Wohnzimmer machen darf, ob es in Ordnung ist, wenn ich die Stereo-anlage von Alex benutze, ob ich Joey’s Klammotten anziehen darf und wer die Küche putzt. Der für uns Verantwortliche CA (so heißen die Studenten, die sich hier wichtig tun wollen) namens Rudy Garcia erklärt uns, auf was wir beim Badezimmer-Saubermachen achten müssen: Wasserflecken am Spiegel sind ja mal OK, aber Zahnpastaflecken oder After-Shave-Rückstände sollten doch bitte entfernt werden, Ich erkläre ihm, dass ich seit 5 Jahren nicht mehr zu Hause wohne, Alex und Joey pflichten mir bei. Ab jetzt geht Joey beleidigt die Liste durch und setzt überall Haken, und wir nicken nur ab. Nach zwanzig Minuten ist das Thema erledigt (warum haben die Mädels bitteschön 90 Minuten dafür gebraucht?). Damit wäre dann auch geklärt, wer hier wann wo Sex haben darf…
Der Tag ist gelaufen. Alle anderen sind unterwegs und ich muss im Village rumhän-gen. Endlich komme ich mal dazu, ein bisschen zu lernen und meine Fotos zu sortie-ren. Zwischendurch erreiche ich Antje, die zurzeit in L.A. ist und mit der ich Abi ge-macht habe. Wir Jungs wollen uns nämlich morgen ein bisschen die Stadt angucken, und Antje stimmt zu, sich mit uns zu treffen. Ich freu mich.
Das Wetter ist heute richtig beschissen. Der Himmel ist komplett dicht gezogen und es kann jeden Augenblick anfangen zu stürmen und zu gewittern. Ich komme kein Stück weiter mit meinem Skript.
Der Abend birgt nix neues. Kai, Matze und ich müssen waschen und suchen verzwei-felt nach Quartern, dem einzigen Hartgeld welches die Waschmaschinen hier schlu-cken. Wir hätten natürlich auch einmal unsere ID-Card mit Geld aufladen können, um damit bargeldlos zu waschen, aber natürlich schieben wir so etwas immer wieder vor uns hin. Ist ja noch genug Zeit!
Sebastian, der Biberacher, hat mir noch via Skype geschrieben, dass wir vorbei-kommen wollen, er trinke mit Frederick, seinem französischen Roomie, noch ein bisschen was. Ein bisschen was war gelogen, als wir dort ankommen (ein Haus wei-ter), sitzen Sebastian und Freddi vor einer 1,75 Liter Wodka-Flasche, die sie heute gekauft haben und bereits zur Hälfte leer ist. „Die Mädelsch ha’m auch mitg’trunke“, entziffern wir aus dem Schwäbischen, und beteiligen uns herzhaft am guten Smirnoff. Freddi ist schon gut betrunken und der Abend wurde noch echt witzig.
Als dann alle ins Bett wollten bin auch ich rüber in mein Apartment. Runde zwei wur-de eingeläutet, denn hier saßen Alex, der Schotte Collin, Ariane’s Mitbewohnerin Kim und noch so einige Leute bei uns im Wohnzimmer. Collin hat eine Flasche Starkbier dabei, probieren kann man’s ja mal. Schmeckt aber nicht, und so vergnüge ich mich die nächsten zwei Stunden mit Wasser. Während alle fröhlich dahinfeiern, wird Alex schläfrig und geht als erstes ins Bett. Na toll, jetzt spiele ich hier den Host?
Völlig müde, mittlerweile wieder nüchtern aber trotzdem voller Tatendrang schlage ich vor, ein bisschen Halloween-Stimmung zu verbreiten. Vor einigen Tagen haben zehn Mexikaner auf der Uni-eigenen Plantage eine riesige Menge an Kürbissen aus-gelegt. Ja, einfach auf’s Feld geworfen, wahrscheinlich, um sie noch ein wenig reifen zu lassen. Da kann man ja schon mal auf Dumme Gedanken kommen, und so sehen wir uns einige Minuten später über den Acker stapfen. Es ist mittlerweile nach vier und natürlich ist keine (Studenten-)Seele zu sehen.
Das Aussuchen braucht so seine Weile, aber letztendlich haben wir ein ziemlich formschönes, kräftig leuchtendes Gourmet-Prachtstück entdeckt und … Gentlelike trage ich das 7-Kilo-Ding ins Village zurück. Wenn das kein guter Abschluss für einen Freitag, den 13. ist!
Samstag, 14. Oktober
Nach vier Stunden schlaf kommt Kai in mein Zimmer und weckt mich. Der Plan: End-lich Hollywood. Jeder sagt, dass es unspektulär ist, doch nach Hause fahren ohne ein paar Sterne gesehen zu haben wollen wir auch nicht. Wir nutzen alle sechs sitze unseres Impalas aus und so machen sich Mareike, Viktoria, Bernie, Matze, Kai und ich auf Richtung L.A.
Der Walk of Fame ist in der Tat nicht sonderlich attraktiv, besonders bei Tag nicht. Viele Touristen, Souvenir-Shops und als Batman, Dath Vader und Homer Simpson verkleidete Kleinakteure, die versuchen, sich mit einem Dollar pro Foto eine solide Basis zu schaffen. Bernie und ich können uns jedoch nicht verkneifen, ein Foto mit Homer zu machen.
Viele viele bekannte Namen im Boden, an den Wänden und auf Plakaten sehen wir. Die Sonne an diesem Nachmittag steht allerdings besonders ätzend, und so fallen die Fotos von den Walk of Fame – Sternen nur so Medium aus. Beeindruckend finde ich das Kodak-Theater, welches seit 2001 Sitz der Oscar-Verleihung ist. Es beher-bergt einige exklusive Geschäfte und von den oberen Etagen aus kann man wunder-bar die Hollywood-Buchstaben auf dem entfernten Berg erkennen.
Kai und ich besorgen uns noch unser Lieblingsgetränk von Starbucks: Mocca-Frappochino, und auf dem Weg zurück zum Hollywood Boulevard sehen wir ein In-terview…mit wem, wissen wir nicht genau, aber sie sah aus als wäre sie brühmt, und so machen wir einfach mal einige Fotos von ihr. Auch auf Nachfrage bei einer Securi-ty-Dame kann man uns nicht helfen – sie sei ebenso ahnungslos wie wir. So denken wir uns, dass das alles nur ein Marketing-Gag ist und machen uns wieder aus dem Staub.
Auf dem Weg zum Rodeo-Drive, einer exklusiven Adresse mit Namen wie Gucci, Prada, Chartier und Versace lassen wir es uns nicht nehmen und fahren durch die Gegend der ganz Reichen. Bevery Hills und Bel Air sind das zu Hause der ganz Großen, und so sehen wir viele dicke Villen und Auffahrten, die meisten dvon jedoch versteckt hinter großen Zäunen und Hecken. Natürlich wissen wir nicht, wer wo wohnt, und so vertreiben wir uns die bergige Fahrt mit dem Suggerieren, wer wohl hier wohnt, und wessen Anwesen wir gerade passieren.
Von einem Hügel in Bel Air haben wir eine tolle Aussicht auf die Stadt und die davor gelagerten Täler und Berge. Mit meiner Kamera schaffe ich es, einige Häuser von oben zu fotografieren und wieder raten wir, wessen Pool wir da gerade vor der Linse haben.
Weiter geht es auf dem Sunset Boulevard. Hier sehen wir viele der bekannten Loca-tions wie die Sky-Bar (Eintritt nur mit Gästeliste), den Viper Room (gerade erst wieder in „Be Cool“ gesehen), der bis 2004 noch Jonny Depp gehörte. Wir nehmen uns ganz dolle vor, dort mindestens einmal einen Cocktail trinken zu gehen.
Der Rodeo-Drive stellt sich als (für uns) recht langweilig heraus. Sachen, die wir uns nicht leisten können und Leute, die wir nicht leiden können. Wir dürfen eh nur eine Stunde umsonst parken und entscheiden uns dafür, weiter nach Santa Monica zu fahren.
Wir parken diesmal direkt am Pier und schlendern hinüber zur 3rd Street Promenade, wo wir Jungs ja schon einmal waren. Ich habe nicht sehr viel Lust zu shoppen und so beschließen wir, erst einmal etwas essen zu gehen. Mittlerweile habe ich Antje er-reicht und ich treffe sie vor dem Restaurant Yankees Doodels. Ich freue mich riesig, sie mal wieder zu sehen.
Die Zeit vergeht schnell und nach einem Verdauungsspaziergang in der Stadt und am Strand muss Antje auch wieder los. Wir planen, noch mal zusammen durch L.A. zu ziehen.
Zusammen mit Kai und Matze setze ich mich noch eine Zeit lang ans Wasser in den kalten Sand, wo wir auf den Rest der Truppe warten, die noch auf dem Pier Achterbahn und Riesenrad fahren sind. Leider dauert die Runde im Riesenrad doch etwas länger, und ich bekomme zwei Anrufe von Bernie, der verzweifelt an oberster Stelle des Rads in der Gondel sitzt und weint, dass er nicht mehr herausgelassen wird. Irgendwann ist er dann doch wieder unten und wir machen uns nach einem langen Tag wieder auf den Weg nach Hause. Noch schnell eine runde Knight Rider bei Kai geguckt, dann muss ich ins Bett. Ich brauche endlich mal wieder mehr als 5 Stunden Schlaf!
Fotos jetzt auch öffentlich
Hallo Freunde,
habe endlich einige meiner letzten Fotos hochgeladen, für all diejenigen, die keinen Zugang zum Studiverzeichnis haben. Folgt einfach dem Link http://www.pixum.de/members/danielkoehnen/, dort sind die Fotos vom Joshua-Tree Park online. Alles andere folgt.
Liebe Grüße,
euer Daniel
Nach zwei Wochen…
…habe ich noch immer nicht geschafft, hier großartig Neues zu verbreiten. Ich muss mich entschuldigen, aber es ist hier immer so viel zu tun und zu erleben, dass ich nicht ab und an einmal dazu kommen, die San Francisco-Tour niederzuschreiben.
Ich werde daher von nun an immer kleinere Einträge hier machen und nebenbei meinen großen Bericht zu Ende schreiben. Der kommt, versprochen.
Gestern waren wir in der Wüste. Wir sind zum Joshua Tree Natioanl Park gefahren und dort herumgewandert. Einen Großteil der Wanderstrecken muss man hier allerdings über ordentlich dicke Felsen hinlegen. Das bringt total Laune, denn man kommt sich vor wie ein kleines Kind, das überall draufklettern will und überall reinfassen will – was hier nicht ganz ungefährlich ist, bei all den Klapperschlangen, Salamandern, Kojoten und anderen Spielgefährten.
In der prallen Sonne haben wir uns alle einen ordentlichen Burnie geholt. Aber das war es definitiv auch wert! Als die Jungs und ich dann anfingen, die Indiana-Jones Musik zu trällern, kamen uns andere Jugendlich entgegen, die einstimmten und so haben wir in der Wüste ein kleines Konzert gegeben
Da wir uns getrennt hatten (wir Jungs sind voller Tatendrang gleich drauf los geklettert, während die anderen doch lieber planvoll die Gegend erkundeten), mussten wir in der Hitze noch einige Zeit warten. Ich habe noch nie so einen fiesen Durst erlebt. Es muss grauenvoll sein, ohne Wasser in der Wüste zu verkommen. Das möchte ich nicht erleben.
Wieder alle vereint, waren wir noch auf Key’s View, einem Aussichtspunkt in 1500 Meter Höhe, von dem man eine beeindruckende Sicht über den ganzen Wüstenpark hatte. Es ist komisch, dass man vom Nichts beeindruckt sein kann. Es sind nur eie paar wenige Wüstenpflanzen, die das Bild aufhellen, ansonsten nur dunkle Dünen und weite Sandfelder.
Auf dem Rückweg haben wir vergeblich einen Cowboyladen gesucht. Kai und ich wollen unbedingt einen weißen Cowboyhut kaufen, aber der einzieg Laden, den wir entdecken konnten, hatte schon geschlossen. Daher fahren wir direkt nach Pomona zurück, wo wir erstmal eineinhalb Kilo Beef kaufen und das dann bei Kai in der Wohnung zu Männeressen verabrbeiten. Dazu gibt’s Spaghetti…
Abend saßen wir noch zusammen, um die Planung für die nächsten Wochenenden zu machen. Ich kann euch sagen: Wenn wir das alles zu durchziehen, dann gibt es noch viel zu Berichten und hoffentlich auch ein paar coole Fotos.
Ich saß dann später noch mit Collin (einem schottischen Austauschstudenten), meinem Mitbewohner Alex und seine (Halb-)Freundin zusammen und es gab irgendwelche Hardcore-Cocktails, denn Alex versucht sich gerade als Thekenmixer.
Gleich geht es erst einmal zum Strand. Venice Beach wollen wir ansteuern; das ist der Strand mit den vielen Muskelmenschen, die unter freiem Himmel trainieren. Ich bin gespannt.
Liebe Grüße soweit erstmal,
euer Daniel
P.S. Fotos sind wie immer im Studiverzeichnis zu finden…
Die ersten Tage
So denn. Habe es enldich geschafft die ersten Tage zu dokumentieren und poste sie hiermit. Kämpft euch durch, die meisten haben dies bereits als pdf erhalten, aber hier nochmal für alle anderen!
Mittwoch, 13. September 2006, 04:00
Es ist früh…viel zu früh zum Aufstehen. Die Aufregung ist jedoch zu groß um müde zu sein. Katzenwäsche, noch mal checken ob alles im Koffer ist. Das Wichtigste, die Dokumente Flugtickets, Reisepass, TAN-Listen, Kreditkarten… Auto vorfahren, das ich gestern noch von meinem Bruder geholt habe (da der gerade in Hannover umzieht, hat er den Van von Mutti am Start), Koffer rein, und ab die Post. Noch schnell Bernhard vom Studentenwohnheim ab-holen, denn sonst wäre er der einzige, der mit der Bahn mitten in der Nacht mit zwei dicken Koffern zum Flughafen fahren müsste. Nun ist kein Platz mehr für Meike, da mein Bruder sämtliche Sitze ausgebaut hat. Naja, wird uns schon keiner anhalten, und Meike versteckt sich zwischen den Koffern.
Am Flughafen der erste Ärger: Kaum geparkt, funktioniert die Funkfernbedienung des Chrys-lers nicht mehr. Batterie leer? Nein, kurzer Blick nach links verrät, dass der Flughafentower die Signale der Funkfernbedienung stört. Zwei Optionen: Den Flughafenmanager lieb bitten, ob er für fünf Minuten den Flugbetrieb außer Kraft setzen kann, oder bei Chrysler anrufen. „Chrysler Technischer Support, was kann ich für Sie tun?“, fragt der nette Mann freundlich und erzählt mir, dass jemand kommen würde und der Wagen notfalls abgeschleppt werden muss. Das ganze natürlich nur gegen Zahlung, denn Garantie ist schon lange nicht mehr drauf. Rücksprache mit Vater, der mittlerweile wach ist (ist schon kurz vor sechs, um 06:50 geht der Flug). Ich gebe Meike alle Telefonnummer die sie braucht, um das weitere zu regeln. Ich ärgere mich, dass ich nicht mal entspannt sein kann am Flughafen kurz vor meiner Reise. Naja, Meike beruhigt mich und sagt, dass alles gut geht. Mein schlechtes Gewissen, dass sie jetzt mit der ganzen Sch… da steht, bekommt sie trotzdem nicht weg.
Check-In: Noch vor der Kofferaufgabe werden meine Reisetasche und der Koffer durchleuch-te. Kurzes Herzklopfen, das die bloß nicht mein Kontaktlinsenpflegemittel beschlagnahmen. Gott-sei-Dank darf ich es mitnehmen. Koffer wird versiegelt, Sachen werden aufgegeben. Noch einmal kurzes Herzklopfen, aber auch diesmal werde ich beruhigt, denn die Waage zeigt an, dass mein Gepäck im Rahmen des Erlaubten liegt.
Schmerzvolles Verabschieden von meiner Liebsten. Mit einem lachenden und einem weinen-den Auge verliere ich sie aus den Augen, aber ich bin nicht alleine.
Für 12 hannöversche Studenten beginnt nun ein Abenteuer, das sicher schneller zu Ende geht als uns lieb ist. Nichtsdestotrotz freuen wir wie kleine Kinder und malen uns aus, wie es wohl sein wird, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und des begrenzten Horizonts (danke Tanja für diesen treffenden Ausdruck).
Der erste Flug nach Frankfurt verlief schnell und schmerzlos. Kurz nach dem Start gibt der Pilot durch, dass der Flug nur 35 statt 50 Minuten dauern würde, da wir eine Abkürzung neh-men … großes Gelächter.
In Frankfurt dann drei Stunden Aufenthalt. Als erstes Meike anrufen. Sie hat das mit dem Auto doch noch hinbekommen. Wie, ist mir ein Rätsel! Alles wird gut, sage ich mir!
Als wir dann endlich durch die Sicherheitschecks waren, hatten wir nur noch 1 Stunde. Etwa ein Dutzend Stationen waren noch nicht genug. Schuhe aus, Jacke aus, Leibesvisitationen, Taschen auseinander genommen. Dann der Schock: Ich darf meinen Textmarker nicht mit-nehmen. Leute, ein TEXTMARKER. Das tut weh. Was soll’s, meinen Flüssigsprengstoff haben sie dafür nicht entdeckt.
10 Stunden, 2 bescheidene Mahlzeiten, 2 richtig schlechte Filme und 5 Warsteiner später be-finden wir uns im Landeanflug. Wir konnten Las Vegas von oben sehen, denn wir sind die ganze Zeit mit der Sonne geflogen. Das hat Schlafen quasi unmöglich gemacht. Eine freund-liche Stewardessstimme lässt einen noch mal schaudern: „Willkommen in San Francisco!“ Moment, das ist ja mal gar nicht witzig. Wieder Gelächter: Lufthansa scheint Entertainer aus-zubilden.
Am L.A. Airport (kurz: LAX) mussten wir dann tatsächlich eine Stunde am Immigration Counter anstehen. Die Beamten machten einen sehr gelangweilten, aber auch genervten Ein-druck. Endlich durch die Kontrolle durch (wir mussten unsere Fingerabdrücke lassen und ein Foto von uns machen lassen), konnten wir sogleich unser Gepäck abholen und keine 10 Mi-nuten später standen wir in der Mittagssonne von Los Angeles.
Professor Lange, ein ehemaliger Prof der Uni Hannover, der das Regenwetter in Deutschland satt war und nun seit einigen Jahren in Pomona (so der Ort, an dem ich bis Weihanchten woh-nen werde) arbeitet, wartete bereits auf uns und hat einen Bus für uns organisiert. Einige von uns haben allerdings gleich am Airport einen Mietwagen in Empfang genommen. Eines der Dinge, die wir bereits in Deutschland von den Amis gelernt haben, ist: In den USA brauch man ein Auto. Jeder Ostfriese, wenn er nicht gerade in der Weltstadt Leer wohnt, kennt das Problem defizitärer Transportkapazitäten – selbst im L.A. oder Orange County sind Bus- und Bahnverbindungen nahezu unbekannt. Einzig und allein der Campus meiner Uni hier hat ein eigenes Transportsystem.
Meine Wenigkeit hat allerdings den Bus bevorzugt (nach 10 Stunden Flug ist so eine Auto-fahrt im 10 Millionen-Areal L.A. nicht gerade eine Freude), und die Sicht aus dem Rückfens-ter war schon atemberaubend genug.
Nach ca. einer Stunde erreichten wir unsere Wahlheimat Pomona, was etwas nord-östlich von L.A. Downtown liegt. Auf dem Weg sahen wir gleich eine Festnahme: „Oh, seht, ein Strei-fenwagen macht `ne Routinekontrolle, fotografier das mal“ – „Oh nein, vielleicht doch nicht, der Typ sitzt in Handschellen mitten auf der Straße, lieber nicht fotografieren!“ First impres-sions!
Im Village, dem Studentenwohnheim – oder besser Studentenstadt – logieren zurzeit 1300 Cal Poly Studenten. Cal Poly steht übrigens für California State Polytechnic University of Pomona. Die Warteliste umfasst 500 Plätze, und das bei den Preisen. Für ein Zimmer, wel-ches man sich mit jemand anderem teilt, zahlt man in etwa soviel wie für unsere ganze Woh-nung in Hannover.
Das Registrieren für unsere Dorms (Wohnungen) ging ziemlich schnell und wir waren dann auch gespannt auf unsere neuen Eigenheime. Da wir eine Woche vor Uni-Beginn da waren und offizieller Einzugstermin erst am 19. ist, war nicht viel los hier und wir hofften, die erste Nacht noch ohne Zimmernachbar auskommen zu dürfen.
Wir machten also die Runde. Kai, Matze und Bernhards Apartments waren komplett leer. Keine Mitbewohner, kein Zeug im Wohnzimmer, alles leer. Dann zu mir. Haus Nr. 30, A-partment A, Zimmer 2 (jedes Aprtment hat 2 Zimmer mit jeweils 2 Leuten). Ich komme rein, das Wohnzimmer überseht mit Alkoholflaschen, der Mülleimer explodierte, überall liegen Klamotten herum und ich höre zwei Typen aus verschiedenen Zimmern irgendwas wie Starc-raft bzw. Star Wars zocken. Na super, zwei Nerds als Zimmergenossen. Kann ja nur schief
gehen! Nachdem ich mich durch die Messiewohnung in mein Zimmer gekämpft habe und meinen Koffer deponieren konnte (was echt zur Such nach der Nadel im Heuhaufen wurde), bin ich ganz schnell wieder heraus in der Hoffnung, jemand würde in der Zwischenzeit auf-räumen…
Alex, mein „direkter“ Zimmergenosse, der quasi unter mir schläft (ja, Hochbettklettern die nächsten 3 Monate!) entpuppt sich als Ingenieur, der zusammen mit Joey (mein indirekter Roommate aus Zimmer 1) das illegale Filesharing-Netzwerk des Village steuert. Alex ist freundlich, gehört zur kalifornischen Minderheit – nämlich zur der Weißen – und trinkt gerne teuren Alkohol. Er hat eine Jonny Walker Blue Label Flasche hier stehen. Kenner wissen, dass so was ca. 100 € pro Flasche kostet, wenn nicht mehr.
Nach einem kurzen Hallo sind wir dann mit Prof. Lange (in den USA wird er übrigens nicht etwa Prof. Long genannt, sondern Dr. Lääääääng) zum ersten Burgerladen in der Nähe gefah-ren. „In’n’Out“ hieß er, und so war auch die Strategie. Nervende Musik, viel zu kalte Klima-anlage und grelle Farben ließen einen gaaanz schnell wieder den Laden verlassen. Rein und Raus halt. Der Burger war gut, die Pommes schmeckten wie Schuhsohlen und ich machte meine ersten Erfahrungen mit Root Beer. Dieses abscheuliche Getränk ist während der Prohi-bition in den USA bekannt geworden. Es hat nichts, aber auch gar nichts mit Bier zu tun und hat seinen Namen wohl ausschließlich aufgrund seiner Farbe bekommen. Es schmeckt ziem-lich genau wie Meridol Mundwasser mit Kohlensäure und ist seit unserer Ankunft hier zum Wetteinlöser mutiert, wie etwa bei der Diskussion, ob St. Peter Ording an der Nord- oder Ost-see liegt. Naja, mein Root Beer steht noch aus…
Dr. Läääääng gab uns dann anschließend noch einige Tipps und Tricks mit auf den Weg, während wir im „Applebies“ noch ein gutes Becks Import genossen. Das Applebies ist eine recht coole Sportsbar mit einer viel zu hoch eingestellten Klimaanlage. Das machen die hier wohl alle. Draußen sind es 30 Grad im Schatten, und drinnen gefühlte -10. Südkaliforniern hat allerdings Wüstenklima, was bedeutet, dass es, sobald es dunkel wird, tierisch kalt wird und man plötzlich von Shorts und Hawaiihemd zu Jeans und Pullover wechseln muss.
Noch ein Bierchen mit Alex, eine gute Unterhaltung und dann war auch endlich Zeit um ins Bett zu gehen. So viele erste Eindrücke und Reizüberflutungen mussten erst einmal verdaut werden, und am Ende dieses ewig langen Tages war ich doch zufrieden mit der ganzen Situa-tion…
Donnerstag, 14. September, 03:30 local time
Klopfklopf…“Hey Alex“ – „What?“ – „Tomorrow ist the big inspection in our apartment“ – „And?“ – „We have to get rid of the sofa!“ – „Alright then!“. Es ist im Village streng verbo-ten, externe Möbel zu besitzen. Die Dorms sind eingerichtet, und außer dem Fernseher darf kein festes Gerät in der Wohnung stehen. Joey und Alex jedoch haben ein riesiges gemütli-ches Sofa im Wohnzimmer stehen, dass dort nicht hingehört. Da heute morgen der Communi-ty Advisor vorbeikommen will und die Wohnung inspiziert, muss das Sofa natürlich raus. Erstes großen Studentenerlebnis in den Staaten für mich: Sofa tragen. Rein in die Hosen, Cap aufn Kopf (bevor mich jemand erkennt), Sofa angehoben und raus damit. 40 Meter weiter stehen die Müllcontainer, von einem großen Zaun umringt, da steht’s gut. Wird das nicht je-mand entdecken? Nein, da kommt niemand hin. Na gut. Wieder rein, wieder schlafen. Good-night!
Donnerstag, 14. September, morgens.
Der Plan: Wir müssen zum Ontario Airport, ca. 20 Minuten entfernt. Dort holen wir unseren zweiten Wagen ab. Denn mit 12 Leuten in einem Pontiac Grand Prix ist es etwas eng. Ich habe den zweiten Wagen, einen Van für 7, auf meinen Namen gemietet, also muss ich mit. Susanne fährt mich hin. Drei andere von uns müssen mit, da sie alle als Fahrer gelistet werden müssen. Ich will schließlich nicht die ganze Strecke nach Sän Frän fahren. Also ab auf den Highway nach Osten Richtung Ontario. Dichter Verkehr, 5-spurige Autobahnen. Trotzdem alles voll. Gott-sei-Dank gibt es Car Pool Lanes. Das sind Spuren, die nur für Autos mit 2 und mehr Personen gemacht sind. Überall stehen Schilder mit strikten Warnungen: Bei Verstoß hiergegen sind $ 271 fällig. Wieso gerade 271? Keiner weiß es. Egal, es ist ja ne gute Sache und fördert, Fahrgemeinschaften zu bilden. Aber warum nutzt die Lane keiner? Tatsächlich, die fahren ja ALLE alleine im Auto. Es scheint wirklich jeder nur sein eigenes Auto zu fahren und niemanden mitnehmen zu wollen. Amerika! (Diesen Ausruf werden wir in Zukunft noch des Öfteren hören).
Wir bekommen einen Pontiac Montana, mit Tempomat und Satellitenradio: 200 Programme, YES! Ich steige das erste Mal in einen Automatikwagen. Fahre zum Ausgang des Parkplatzes. Ab auf den Highway. Zurück zum Village. Nochmal 6 Leute einladen, noch mal Ontario. Weitere Fahrer bei Alamo für den Van listen. Zurück nach Pomona. Es ist schon später Nachmittag, Strand lohnt nicht mehr. Ab zu Ikea. Wir brauchen: Bettzeugs, Teller, Klobürs-ten…und und und. Erster großer Unterschied: Die Hot Dogs sind anders. Keine Gurken, keine Röstzwiebeln. Und statt gebrühter Würstchen gibt’s frittierte Würstchen. Pfui bah. Und das schlimmste. Amis essen keine Mayo…zumindest nicht auf Hot Dogs und auch nicht zu Pommes. Aber Peanutbutter-Jelly-Sandwich und Cola mit Vanilleeis drin. AMERIKA!
Zwei Ikea-Einkaufswagen später und 300 Dollar weniger auf zum Supermarkt. Target – Low prices entpuppt sich als ar***teures Vergnügen. Naja, wenn man Leute anstellt, die einem die Lebensmittel an der Kasse in Tüten einpackt, die müssen auch bezahlt werden. Fast Food oh-ne Ende, Cola in 5liter-Kanistern und Obst – unbezahlbar.
Es stellt sich heraus, dass mein Mitbewohner Alex ein guter Freund von Carol ist, die die letz-ten 7 Wochen in Deutschland war. Ihr Ex-Freund, der sie in Hannover besuchte – Sam – ist ein guter Freund von Alex. Small World!
Freitag, 15. Sepember
Yuhuu! San Francisco. 06:00 Uhr aufstehen, Kai und ich feiern Premiere und frühstücken einen Peanutbutter-Jelly-Bagel. Auf die eine Bagelseite kommt Erdnussbutter, auf die andere Erdbeermarmelade. Das ganze einfach zusammenklatschen, fertich is!!!
Morgens sehe ich noch Joey in unserer Küche umherschleichen. Hey Joey, so früh wach? – Nein, bin aufgeblieben. Muss die ganze Zeit an das Sofa denken – Ooooookay… Nach mei-nem Badezimmergang komme ich zurück ins Wohnzimmer. Da steht Joey, ganz alleine in der Eingangstür und zieht gerade das Sofa rein. Sag doch was, ich kann doch helfen. – Passt schon! Jetzt kann ich endlich schlafen gehen – Nerd!
Wir wollen um 07:00 Uhr auf dem Highway Richtung Norden sein. Pustekuchen. Um 08:00 Uhr sitzen wir im International Office, um Thresa Ansley, der lieben Seele, die sich um uns
kümmert und dicke mit Ditäär, unserem Koordinator in Hannover, ist, Hallo zu sagen. Da können wir doch gleich mal die Dokumente kopieren, die sie braucht. Und noch mal checken, ob wir denn alle in unsere Kurse gekommen sind. Zwei weitere Deutsche sitzen dort herum. Kommen aus Biberach und studieren Architektur. Erste Erfahrungen werden ausgetauscht. Tja, um 11:30 können wir dann auch endlich starten. Über den Interstate 5 nach Northern California. Das wird bestimmt cool, so ein richtiges Route 66-Gefühl. Dann die Erkenntnis: 400 Meilen durch die Wüste…doch kein Spaß. Die USA haben sich übrigens noch nicht zum metrischen System bewegen können. Ein Fuß sind 30 cm, ein Inch sind 2,5 cm, eine Meile 1,6 km und 2.2 Pfund sind ein Kilo. Eine Gallone sind 3,8 Liter und Benzinverbauch wird in Miles per Gallone gemessen. Einfach so hinnehmen, nützt nix.
400 Meilen weiter, 20 Sudokurätsel gelöst, nach zahllosen Stopps (bei sieben Leuten muss man echt alle halbe Stunde ne Pause machen) kommen wir endlich abends in San Francisco an. Unser Van hat nen DVD-Player, und unterwegs haben wir Simpsons – Staffel 4 und 5, von Joey ausgeliehen – sehen können.
Es war atemberaubend, als wir aus der Wüste in diese riesige Stadt hinein fuhren. Wolken-kratzer, riesige Brücken (wir kamen über die Oakland Bridge rein, konnten aber die Golden Gate Bridge sehen). In der Dämmerung sah Alkatraz noch erschreckender aus. Überall Leuchtreklame. Christian fuhr, Matze war Navigator. Treffpunkt sollte das San Francisco Globe Hostel sein. Gott-sei-Dank war dies einfach zu finden, doch die Gegend sah nicht sehr vertrauenserweckend aus. Der Typ am Empfang schien erfreut zu sein und erzählte uns, dass der andere Wagen wohl auch gerade angekommen sein und einen Parkplatz suchte. So machte sich auch Christian auf den Weg um den Van zu parken. Wir sollten insgesamt zwei 6er Zimmer bekommen, so hat es Ariane aus dem anderen Auto gebucht. Wir bekamen die Schlüssel und fuhren in den 4th Floor, was die 3. Etage bedeutet (1st Floor ist immer das Erd-geschoss). Die Zimmer: ziemlich abgegammelt. Unter uns: eine Disko (ein Gayclub, da wir ziemlich genau an der Grenze zum Castro-Viertel waren, dem Homoviertel in SF).
Kaum haben wir unsere Betten bezogen, kommt Mareike aus dem Mädchenzimmer. Die an-deren haben geschrieben, sie wollen nicht in dieser Gegend wohnen. Von wegen Parkplatzsu-che, die haben ein neues Hotel gesucht. Super! Egal, wir haben bezahlt, wir bleiben. Aus dem Jungenzimmer wird ein Gemischtes (zum Glück steht ein 7. Bett im Raum) und wir ziehen los um etwas zu essen. Die Stimmung ist zum ersten Mal angeknackst und jeder denkt sich seinen Teil.
Wir machen abends noch die Runde, um was gutes zu Essen zu finden. Die Gegend ist echt nicht so cool, viele eigenartige Gestalten lungern herum, die Schwulen hier sind so richtige Kraftpakete mit Lederwesten, die knutschend an der Straßenecke stehen. Wie im schlechten Film bewegen wir uns Richtung Market Street, wo etwas mehr los ist. Wir fragen nen Typen nach einer Bank of America (denn als Deutsche Bank Kunde kann man an der BoA kostenlos Dollars abheben). Was für ein Zufall: Der Typ ist schwul, arbeitet bei der Bank of America, war auch shcon in Deutschland und hat an der Cal Poly Pomona studiert. Was sich als un-glaublicher Zufall anhört, wird sich in Zukunft als Standardsatz etablieren. Wo kommt ihr her? – Deutschland. – Oh, da hab ich auch mal gewohnt. Was macht ihr hier – Studieren. An der Cal Poly Pomona. – Was für ein Zufall, da war ich auch. Witzig ist nur, dass man sogar Feuerwehrmänner und Schuhverkäufer findet, die in Pomona studiert haben. Soll man dem Glauben schenken?
Das gute Essen bekamen wir bei Burger King, denn was anderes haben wir nicht gefunden. Und da das Wetter in SF zwar gut aber halt etwas kälter ist, verzichteten wir auf großartige
Ansprüche und gaben uns mit einem Whopper-Menü zufrieden. Der nächste Tag konnte wohl nur besser werden.
Samstag, 16. September
Wir checken aus. Schimmel an den Wänden, dreckige Bettlaken und das Frühstück im Stehen in der „Lobby“ bringen uns dazu, das Globe Hostel zu verlassen. Die andere Gruppe muss ihr Hotel auch wieder verlassen, da sie dort nur ein Zimmer für eine Nacht finden konnten. Der ganze Ärger sollte vergessen sein und wir wollten doch die wenige Zeit in SF gemeinsam verbringen. Wir waren schneller mit der Suche und fuhren hoch Richtung Hafenviertel. In der Lombard Street werden wir fündig und quartieren und im Surf Motel ein. Wir 7 bekommen die Suite mit zwei Queensize-Betten und einem Schlafsofa. Ingesamt sind es gute Zimmer für knappe 25 Dollar pro Nacht pro Person. Da kann man nicht meckern. Offiziell wohnen wir allerdings nur zu 6t dort…also besser nicht erwischen lassen.
Wir legen nur schnell unsere Sachen ab, und schon soll es losgehen, SF zu erleben. Als erstes laufen wir die Lombard Street hoch. Junge, die haben hier gut Steigung. Wie bei einer Berg-wanderung, nur auf heißem Asphalt erklimmen wir die Straßen hoch zum Sterling Park, ei-nem kleinen aber feinen Park, von der wir eine schöne Aussicht über die Stadt haben. Weiter geht es zur bekannten Crook Street, einer edlen serpentinenähnlichen Straße, dessen Häuser an die Villen von Blankenese erinnern. Im Hintergrund fahren die Cable Cars herum, deren Fahrer lauthals die Passagiere unterhalten und Autofahrer, die den Weg blockieren, beschimp-fen.
Wir machen ordentlich Fotos, damit das ganze auch beweisbar ist. Noch immer viel zu viele neue Bilder im kopf, die kaum zu verarbeiten sind. Dazu die Nachwehen vom Jet-Lag. Da musst du durch!
Weiter geht’s zur Küste. Fisherman’s Wharf ist das Hafenviertel mit vielen Touristen. Nichts-destotrotz hat es richtig schöne Piers und tolle Restaurants. Für mich bitte das Krabbensand-wich und dazu ein Bier. Bier ist teuer in Amerika und schlecht dazu.
Wir kaufen Karten für Alkatraz. Das Hochsicherheitsgefängnis ist nicht mehr in Betrieb und nun zu einer Touristenattrakion geworden. Matze überlegt noch, denn er ist etwas empfind-lich, was Seegang anbelangt. Und Alkatraz ist nun mal nur über den Seeweg erreichbar. Wir buchen für den nächsten Tag, da für heute alles ausgebucht ist. Weiter am Pier gibt es Stra-ßenkunst. Breakdancer, Slapstick und Stand-up wird einem hier geboten und ist dafür ziem-lich gut. Dann der Pier mit den Seehunden. Kein Mensch weiß warum, aber hier tummeln Dutzende von Seehunden im Wasser herum. Die Menschen gucken begeister und Gary Lar-son würde in einem Comic sicher die Seehund darstellen, wie sie über die Menschen lachen und sich erzählen: Sieh dir die dummen Menschen an mit ihren Fotoapparaten, haben die nix besseres zu tun?
Natürlich wollen wir uns auch die Cable Cars nicht entgehen lassen, und so gehen wir zu ei-ner dieser Anfang- und Endpunkte und stellen fest: Man muss ca. eineinhalb Stunden warten bis man rankommt. Dazu sind wir dann doch nicht bereit und wir verschieben das ganze auf den nächsten Tag.
Mit dem Bus geht es dann nach Chinatown. Im Uncle Restaurant bekommen wir für wenig Geld sehr gutes Essen, dafür sieht man aber auch die Fische tot im Aquarium schwimmen. Naja, wie in jedem Chinatown gilt: Je ekeliger die Location, desto besser das Essen!
Auf dem Weg zurück zum Surf Motel kaufen wir noch Vodka in einem Liqour Store. Alkohol ist recht teuer, und die günstigste Vodka kostet uns knappe 10 Dollars. Dafür gibt’s auch ne braune Tüte drum herum.
Zurück im Motel wird noch die Ahoi-Brause ausgepackt. Kai brachte 15 Pakete…das sollte uns über die ersten Paar Tage retten. Jedoch waren alle zu müde um noch großartig zu trin-ken. Morgen soll’s anders sein!
